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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XVI (1881 / 193)

ohne Bedeutung, in derselben Zeit, in welcher die Aeußerung hier gefallen ist, dass 
eigentlich das Unterrichtsministerium uber8üssig ist, und in welcher man also vielleicht 
meinen kann, dass alle Unterrichtsangelegenheiten blos dem Cultusministerium unter- 
gestellt werden können, alle wirklichen Freunde des gewerblichen Unterrichtes darauf 
aufmerksam zu machen, dass man für den gewerblichen Unterricht nicht blos hier bei 
dem Titel -Handelsministerium, gewerblicher Unterrichts, sondern auch bei der Volks- 
schule Gelegenheit habe hiefür einzutreten. 
Abgeordneter Wiesenburg bemerkt nach einigen einleitenden Worten: Wenn 
wir hier wochenlang bei Berathung des Budgets über einzelne Posten nachforschen, wie 
es möglich sei, Ersparungen zu erzielen, oder durch Ausgabsposten die Forderungen ver- 
schiedener Zweige zu ermöglichen, so stehen wir vor der Unmöglichkeit, bedeutende 
Reductionen vorzunehmen. 
Im Gegentheile, die Vorlagen, welche uns von Seite des Ministeriums fortwährend 
auf finanziellem Gebiete prasentirt werden, sind stets begleitet gewesen von höheren An- 
forderungen an die Bevölkerung. Es heißt, die Ausgaben seien nicht mehr zu reduciren, 
es müssen höhere Einnahmen geschaffen werden, der Staat bedarf der Mittel. 
Redner gibt nun eine Darlegung der im Auslande, besonders in Frankreich und 
Belgien, für gewerbliche Bildungszwecke unternommene Maßregeln, und fahrt dann fort; 
Da andere Länder vermöge des billigeren Grundes und der besseren Bodenbeschalfenlieit 
reichlicher ptoduciren, und uns die Lebensmittel zu einem Preise in's Land bringen, 
welche unserer Bevölkerung auf diesem Gebiete die Concurrenz unmöglich macht, so 
müssen wir neben dem Ackerbau auch der Industrie eine erhöhte Aufmerksamkeit zuwenden. 
Es muss daher unser Industriebetrieb intensiver werden, und intensiver kann er 
nur werden, indem er besser als bisher preducirt, indem man ihm Mittel zuführt, ihn 
zu erhöhter Thätigkeit und zu besserem Verdienste gelangen zu lassen. Wenn man das 
Budget unseres Unterrichts- und Handelsministeriums betrachtet - ich habe die einzelnen 
Summen zusammengestellt, sie aber nicht genau nach der Vorlage gruppirt, sondern nur 
jene Summen addirt, von denen ich meine, dass sie unmittelbar zusammengehören -- 
so findet man, dass das Unten-ichtsministerium ausgibt: für die Kunstschule in Krakau 
15.500 8 , fnr Subventionen für Musikinstitute 14.000 8., für Zeichenschulen - welche, 
nebenbeibemerkt, eine viel günstigere Leistung aufweisen - 28.000 8., für die Kunst- 
gewerbeschule in Wien 47.000 8.,- für gewerbliche Lehranstalten 310.000 8., für Stipen- 
dien 140o 8., für Lehrmittel 8500 8., macht in Summa 435.400 8.; Museen für Kunst 
und Industrie 74.000 8.; chemisch-technische Versuchsstation gooo 8., technologisches 
Gewerbemuseum 25.000 8., macht in Summa 108.000 8. Im Handelsministerium ist im 
Budget Folgendes eingestellt: für Fachschulen 204.000 8., für Stipendien, Lehrmittel und 
Werkzeuge 15.000 8., für lnspection und Instruction 12.000 8., für gewerbliche Ver- 
suchsanstalten 12.000 8., für Administration 4800 8. und für Subvention an das orien- 
talische Museum 4000 8., macht zusammen 254.540 8. oder in Summa in beiden Mini- 
sterien circa 800.000 8. 
Fragen wir uns nun, wie ist das vertheilt? Es ist auf die einzelnen Kronlnnder 
je nach den Bedürfnissen derselben vertheilt und wir finden z. B. für Webe- und Wirk- 
industrie und für Posamentierarbeiten 24 Schulen und zwei neue mit einem Erforderniss 
von 45.000 8., für Holz- und Steinindustrie - hauptsächlich in den Alpenländern be- 
trieben und in jenen Ländern, wo keine Industrie ist, zum Gegensntze von jenen gleich- 
gearteten Alpenländern des Auslandes, wo bedeutendere Industrien sind -- betragt das 
Erforderniss 62.000 8., für Glas- und Thonindustrie 21.000 8., für Metallindustrie 
43.000 8., für Kinderspielwaaren 2580 8. und für die Kunst in der Malerei von Heiligen- 
bildern 2335 8., die nebstbei bemerkt zum geringeren Theil nicht in Oestcrreich bleiben, 
und meistens über das Meer wandern, wo man die in Oesterreich gemalten Heiligen- 
bilder bewundert. Einzelne Industriezweige sind nicht enügend gefördert. 
Wenn man sie auf die Länder vertheilt und sie t wie sie daran participiren , so 
findet man - ich rechne hier die fnr Staatsgewerbeschulen und für andere Gegenstände 
vom Unterrichts- und Handelsministerium aufgewandten Mittel in runden Summen zu- 
sammen - Niederösterreich mit 64,000 8. bedacht, Oberösterreich mit 18.000 8., Salz- 
burg mit 17.000 8., Tirol mit 22.000 8., Steiermark mit 29.000 8., Böhmen mit t61.o00 8., 
Mihren mit 62.000 8., Schlesien mit 22.000 8. u. s. w. - es folgen mehrere kleinere 
Posten - endlich Galizien mit 36.000 8. Fragen Sie nun, wird durch derartige Fach- 
schulen, durch Zuführung neuer Verfahrensarten die Steuerkraft der Bewohner dieser 
Länder nicht ganz bedeutend gehoben? Man erwartet es wenigstens und die Beweise sind 
in anderen Ländern vorhanden. Ich habe daher, basirend auf einer Verzehrungssteuer- 
Vertragstabelle, meine Zusammenstellung gemacht. Je leistungsfähiger die Leute werden, 
jc mehr sie verdienen, desto mehr Verzebrungssteuer werden sie liefern, desto größere 
indirecte Steuern können sie tragen. Wenn wir nun sehen, was Niederösterreich an Ver- 
zehrungssteuer liefert - ich habe andere Steuersun-imen nicht angeführt; man wurde 
sagen. da ist der Sin w". lnclihlfnn unn R11"..- ... 2.4-- ...:.. i.-_i...._a.... i- KI...J.._
	        

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