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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XVI (1881 / 193)

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werbeschulen unbeschadet der durch besondere Verhältnisse gegebenen 
Selbständigkeit durch Unterstellung derselben unter das Unterrichts- 
ministerium baldigst zur Austragung zu bringen. 2. Die Regierung 
wird aufgefordert, die Webeschule in Bielitz mit der dortigen Staats- 
gewerbeschule zu vereinigen. 
llellur den Ausbau der k. k. Hofburg. 
Da für eine Reihe von Jahren der Ausbau der Hofburg das Interesse aller 
Freunde der Kunst und Kunstgewerbe Wiens in Anspruch nehmen wird, so theilen wir 
folgenden authentischen Bericht mit: Es wird zuerst der Flügel längs des Kaisergartens, 
als zur Aufnahme der kaiserlichen Appartements bestimmt, in Angriff genommen. 
An den Zeichnungen zu diesem Prachtbaue wird bereits gearbeitet, Es ist über- 
haupt ein für die Stadt Wien höchst glücklicher Umstand, dass die Ringstraße in die 
Mitte eines weiten Raumes mündet, dessen natürliche Begrenzung einerseits die k. k. 
Hofburg, andererseits die k. k. Stallungen mit dem Abschlüsse gegen den Bezirk Neubau 
und im Parallellogramm die Hcfmuseen bilden, das seine natürliche Verlängerung auf 
dem Heldenplatze in den beiden Flügeln längs dem Kaiser- und Volksgarten als Zu- 
bauten zur k. k. Hofburg findet. Dieses längliche Viereck von Monumentalbauten bildet 
nach der ebenfalls allerhöchst angeordneten Restaurirung der alten k. k. Hofburg und 
der kaiserlichen Stallungen schon der räumlichen Ausdehnung nach und mit Garten- 
anlagen, mit Denkmalen (Kaiserin Maria Theresia, Erzherzog Carl, Prinz Engen) und 
Fontainen geschmückt, nicht nur einen befriedigenden ästhetischen Abschluss der Ring- 
straße, sondern es schaift, weil durchaus otTen, eine Perspective, einen großartigen 
Mittelpunkt, wie er d.er Residenz des Kaisers würdig ist. 
Als der Architekt für die Erweiterung der Hofburg, Carl Baron Hasenauer, die 
Plane vollendet hatte - es war Ende Juli - erschien Se. Majestät der Kaiser per- 
snnlich im Atelier des Künstlers im Ballhause, um von denselben Einsicht zu nehmen, 
sieh zu informiren und dem Architekten Gedanken für etwaige Erfordernisse mitzutheilen. 
Diät: persönliche Intervention Sr. Maj. des Kaisers im Atelier brachte auch die schnelle 
Erledigung der betreffenden Vorlagen von Seiten des k. k. Obersthofmeisteramtes und 
des lt. k. Ministeriums des lnnern zugleich mit der allerhöchsten Anerkennung für den 
Architekten. 
Hier dürfte es am Platze sein, von der Gründung des Stadterweiterungs- 
fonda zu sprechen, über dessen Bestimmungen so viele irrige Meinungen cursiren. Als 
am t. Janner 1858 das mächtige Wort des Kaisers ertönte: „Die Stadtwalle müssen fallen 
und auf den Glacisgründeu soll eine neue Stadt erstehen" - da wurde zuerst die Frage 
aufgeworfen: „Wem aber gehören diese Glncisgrunde?" Zuerst trat das Militarärar 
mit seinen Anforderungen auf und sagte: Die Walle gehören zur Fortilication und 300 
Klafver von den Stndtwallen entfernt dürfen keine Gebäude aufgeführt werden, weil der 
Grund ein fortificatorischer iat; folglich gehören Walle und Glacis dem Militärärar. 
Die Vertretung der Stadt Wien machte dagegen im Referate des damaligen 
ersten Vizepräsidenten und Obmannea der Finanzsection, DrmAndreas Zeliuka, Folgendes 
geltend: Die Gemeinde Wien hat die Walle von den darauf befindlichen „Lucken" ge- 
Hubert; sie hat die Basteien im regelrechten Zustand hergestellt und in solchem erhalten; 
Si! hat idie Wege auf den Glncis geplant, die Wiesen bewassert, die Alleen yflanzt, 
ohne von irgend lernenden beauftragt oder beim zu werden, weil die Stadt ien eben 
den Grund als ihr Eigenthuln betrachtete. Selbstverständlich gehören die Glacis auch der 
Stadt Wien. Nun kam das Hofarar und sagte: lhr Beide seid im lrrthume! Die Glacien 
gehören mir sammt dem Stadtgraben laut Donation von früheren Regenten und laut 
illerhßCh-ster Entschließung des Kaisers Franz vom Jahre xBtg. Der schönste Prucess 
stand in Aussicht, und gewiss heute noch würden die Stadtwalle und die Glacis in Status 
quo ante existiren. Auf kaiserliche Intervention kam ein für alle Theile annehmbarer 
Ver leich zu Stande: Das Wlixaruu erhielt eine Kaserne (Rudolfsknserne), das Gebäude 
für das General-Commune und eine Verpßegsbackerei ; die Commune Platze für ein 
Rathhaus, für Spitäler, für Marktballen und für Gartenanlagen (Stadtparlt) und die neuen 
Strassenanlalgen. Das H o ia r a r sollte aber nach kaiserlicher Bestimmung erst in letzte r 
Linie berüc sichtigt werden. 
Das k. k. Ministerium des iaaem (Dr. Alexander Frhr. v. Bach) wurde berufen 
zur Plnnceliimng der Stadaerweiterungsgrnnde und zur Gründung eines Stadterweite- 
ru ngsfonds aus den vakauften Parcallea unter eigener Verwaltung und Verrech- 
nung. Folglich hat das k. k. Ministerium des lnnern aber die Verwendung dieser Gelder
	        

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