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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XVI (1881 / 193)

Die Doeoratiuns-llalsroi an Kunstschulen. 
Von R. v. Eitelberger. 
In vielen Kunstschulen des ln- und Auslandes, namentlich in Kunst- 
gewerbeschulen, wird die Frage erörtert, ob und in welcher Weise die 
Decorations-Malerei als ein selbstständiger Lehrgegenstand eingeführt 
werden könne. Es sei mir gestattet, meine Ansicht hierüber etwas aus- 
führlicher auseinanderzusetzen. 
Wenn man von Decorations-Malerei spricht, so denkt man in der 
Regel an Decorations-Malerei für Theater. Dass man eine Specialschule 
für Theater-Decorations-Malerei nicht gründen kann, ist selbstverständlich. 
Der Decorations-Maler für Theater bedarf so verschiedenartige Kenntnisse, 
sowohl künstlerische als technische, braucht ferner einen ganz eigenthiim- 
liehen Bildungsgang, bestimmte Erfahrungen des Bühnen- und Theater- 
lebens, dass nur die Frage aufgeworfen werden kann, in welchen Lehr- 
anstalten er sich die verschiedenen Kunstfertigkeiten und auch die Grund- 
lage zu einer allgemeinen künstlerischen Bildung am besten erwerben 
könne, welche zurAusübung des Berufes eines Decorations-Malers nöthig sind. 
Für einen angehenden Decorations-Maler für Theater ist die Ver- 
bindung des Schulunterrichtes mit dem Atelierunterrichte 
wohl unerlässlich. 
Außer der Decorations-Malerei für Theater denkt man zumeist an 
Zimmermaler. Es gibt gegenwärtig ziemlich viele Kunsthandwerlter, 
die sich mit Zimmermalerei beschäftigen; und da dürfte es sich in erster 
Linie nur darum handeln, in welchen Anstalten die Zimmermaler, die 
schon im praktischen Leben thätig gewesen sind, einen entsprechenden 
Fortbildungscurs erhalten können. Das Bedürfniss der Regelung eines 
Fortbildungscurses für Zimmermaler ist gegenwärtig überall, besonders in 
größeren Städten, vorhanden. Die Regelung aber eines Fortbildungscurses 
für Zimmermaler hat seine eigenthümlichen Schwierigkeiten, da die jungen 
Zimmermaler, Gesellen oder Lehrlinge, in der Regel die Hälfte des Jahres 
in Arbeit sind und ihrer Fortbildung nur wenig Zeit widmen können. 
Auch sind die Bedürfnisse der Fortbildung sehr verschieden; denn der 
Eine fühlt Lücken in seiner Kenntnis: der Blumenmalerei, der Andere im 
Ornamente; ein Anderer sucht seinen Mangel an Kenntniss im Figür- 
lichen zu ersetzen. Jedenfalls brauchte man für einen solchen Bildungs- 
curs verschiedene Lehrer und sehr weitläufige Räume. Ein Fortbildungs- 
curs für das Gros der Zimmermalergesellen begegnet daher großen Schwie- 
rigkeiten. Minder schwierig hingegen ist die Beantwortung der Frage, wo 
_ sich ganz junge Leute, die bisher sich mit Zimmermalerei nicht beschäf- 
tigt und Neigung und Talent für Zimmermalerei haben, ausbilden sollen. 
Da ist die Antwort ganz einfach, dass es die Aufgabe der Kunst- 
gewerbeschulen ist, die entsprechende künstlerische, technische und 
allgemeine Vorbildung für dieselben zu geben. Wie beim Theatermaler, 
soll beim Zimmermaler die Schulbildung mit der Atelierübung
	        

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