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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XVI (1881 / 194)

digen Rahmen mit Bildern in denselben, durch symbolische und mytho- 
logische Details, durch Draperien u. dgl. 
Die Trophäenarabeske ist ihrer Natur und ihrem Namen nach darauf 
angewiesen, aus Waden und Rüstungsgegenständen eine solche Anordnung 
zu treEen, dass damit eine Fläche angenehm belebt und ausgestattet wird. 
Sie unterscheidet sich von den anderen Arabeskenarten auch dadurch, 
dass ihr mehr ein beabsichtigter Zusammenhang zu dem Zwecke und der 
Bestimmung des mit ihr decorirten Gebäudes zukommt. Wo sie selb- 
ständig, also nicht mit der Pllanzenarabeske verbunden auftritt, wird sie 
entweder in der Weise angeordnet, dass ein Holzstamm als Träger des 
ganzen Trophäenapparates dient, an welchem die verschiedenen Waffen 
und Rüstungsstücke in Abtheilungen und Unterbrechungen angebracht 
sind; oder ein oben durch einen Ring gezogenes und aufgehängtes Band 
verbindet in Zwischenräumen solche Trophäenstücke zu einem Bündel und 
Hattert unten in seinen Ausläufern frei. Eine reiche Menge solcher Com- 
Positionen ist uns u. A. von Lafreri erhalten. 
In die Classe dieser Trophäenarabesken sind auch die Decorationen 
zu rechnen, welche sich nur aus kirchlichen Emblemen, wie z. B. an den 
Fenstern der Certosa in Pavia, zusammensetzen. Hier sind geflügelte 
Engelsköpfe, Kannen, Bücher, Kelche mit Patenen, Weihwassergefäße, 
Priesterkleider, Fackeln, Leuchter, Kissen etc. in abwechselnden Zwischen- 
räumen an einem hängenden Bande befestigt und mit Schleifen daran 
gebunden. - Hieher sind weiter alle jene Flillungsornamente zu rechnen, 
welche sich aus anderweitigen Emblemen, aus Werkzeugen und Geräthen 
zusammensetzen, welche todtes Wild und Geflügel zeigen und zur sym- 
bolischen Bezeichnung von Begriffen dienen, die an sich der plastischen 
Darstellung unzugänglich sind. 
Die Groteskenarabeske ist eine wunderbare Schöpfung der Renaissance 
und in ihrer maßvollen Anwendung der reinen Pfianzenarabeske auf's In- 
nigste in Bezug auf Schönheit verwandt. Schon irn classischen Alterthum 
kam diese Decorationsweise zur Geltung und die sagenlustige Zeit ver- 
fehlte nicht, diese Kunstbildung mit märchenhaftem Zauber zu umgeben. 
Das Heer Alexanders des Großen, so wird erzählt, kam auf seinem 
Zug nach Indien einst in einen wunderbaren Wald, dessen Bäume ihre 
Aeste zu Boden senkten, die in demselben festwurzelnd wieder zu Bäumen 
wurden. Als die Soldaten sich durch diesen Wald einen Weg bahnten, 
kamen sie auf eine Lichtung, auf eine Wiese, von woher ihnen ein wun- 
derbarer Gesang entgegentönte. Auf dieser Wiese wuchsen ganz seltene 
Blumen, aus deren Blumenkelchen mit Aufgang der Sonne Mädchenköpfe 
sich erschlossen. Diese Blumen-Mädchen scherzten und sangen, so lange 
die Sonne am Himmel stand, sobald aber die Dämmerung einbrach, 
wurden sie müde und schläfrig und mit dem Untergang der Sonne starben 
sie ab.
	        

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