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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XVI (1881 / 194)

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Dagegen findet besondere Bevorzugung die Groteskenarabeske. Wohl 
die herrlichsten Gebilde auf diesem Felde verdanken wir den genialen 
Zeichnungen Mielichs. 
Diese Hotte Behandlung des allerdings etwas eigenthümlichen Pflan- 
zenwuchses, die Behandlung des Figürlichen und der halbplianzlichen 
Phantasiegebilde männlich und weiblich in der originellsten und freiesten 
Darstellung, diese phantastischen Kampfscenen in dem lustigen Ranken- 
gewirr sind köstliche Erzeugnisse einer geschulten und üppig erblühenden 
Phantasie, wie sie selbst den Italienern nicht eigen war. Diese Arabesken- 
form fand in kurzer Zeit in Deutschland die allgemeinste Anerkennung 
und die allgemeine Structur der Zeit, die sich in phantastischen Kleidern, 
in öffentlichen Aufzügen und Scherzen so charakteristisch abspiegelte, ist 
gewiss auch auf diese Bevorzugung von Einfluss geworden. 
Neben der Groteskenarabeske kommen aber in Deutschland noch 
drei verschiedene Arabeskenarten zur Geltung, die hier einen mehr oder 
weniger selbständigen Charakter annehmen. 
Die erste Gattung ist die eigentliche Arabeske , das specitisch ara- 
bische Ornament. Jeder kennt das geniale Linienspiel, mit dem die Völker 
des Islam ihre Gewänder und Teppiche, KNaHen und Geräthe und Gefäße, 
ihre Fußböden, Wände und Flächen der Häuser, kurz Alles, was Fläche 
bot, verzierten. 
Diese arabische Flächenverzierung, die Arabeske, kam auf doppeltem 
Wege nach Italien und von da nach Deutschland, von Spanien aus und 
vom Orient, namentlich Persien. Merkwürdig dabei ist, dass die Deutschen 
damals ein viel feineres Assimilationsvermögen als die Italiener bewiesen, 
denn unter ihren Händen ging die Arabeske eine Stilwechslung ein, die 
von der schönsten Wirkung war und ihre Anwendung zu einer univer- 
sellen gestaltete. Namentlich waren es die Kleinmeister, welche, wie Virgil 
Solis, BfZahn u. A., dieses vmoreske und türkische Zugwerku verbrei- 
teten, zahlreiche Beispiele davon gaben und so ein eigenes Decorationsfach 
begründeten. 
Wie die Franzosen und Engländer heute japanische Decorations- 
stücke für ihre Kunstwerke verwerthen und dieser ostasiatischen Kunst- 
richtung Eingang bei uns und eine neue Heimat geschaffen hatten, so 
trugen die Kleinmeister des 16. Jahrhunderts die orientalische Arabeske 
in alle Werkstätten und sicherten ihr durch zahllose Kupferstiche eine 
ungemessene Verbreitung und ewige Dauer. 
Diese Lineararabeske wird ein Lieblingsornament der gesammten 
deutschen Metallindustrie. Geätzt und gravirt verziert es die Waden und 
Rüstungen, in Silber- und Goldtauschirung gibt es dem Eisen eine höhere 
Werthclasse, in Niello und Email überdeckt es die Gegenstände aus Edel- 
metall, in Silber und Gold. Ewig wechselnd im Besonderen und doch im 
Allgemeinen sich gleich, sehen wir bald im ganzen deutschen Handwerk
	        

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