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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XV (1880 / 183)

nach Motiven des Mittelalters und der Renaissance,.und jenen reizvollen. Mustercabineten, 
die noch in unser aller Erinnerung sind._'Als das Jahr 1878 mit der neuen Weltausstellung 
zu Paris heranrltckte, da gedachte der sieche Mann, der ferne der Heimat am Strande 
des Mittelrneeres weilte, da gedachte er des Ruhrues seines Hauses und der österreichi- 
schen Industrie und traf selber die Anordnungen, die einen neuen" Sieg bedeuteten. 
So hat er als kranker Mann noch den Weltruhm des Hauses aufrecht erhalten, den 
er in frischestem Schnifens- und Arbeitsdrange selber begründet und errungen. Was er 
geschalfen, das sehen wir, die wir diese Dinge im Großen und im Kleinen verfolgen, 
bleiben und nachwirken aller Orten, zu seiner und unserer Ehre. Nun ist er geschieden. 
wohl aus dem Leben, aber nicht aus unserer Erinnerung. Sein Andenken wird dem Museum 
und den Angehörigen des Museums theuer bleiben für alle Zßltenß 
Wir haben diesen ehrentlen Worten nur einige biographische Daten anzufügen: 
Eduard Haas wurde im Jahre 1810 in Wien, als der jüngere Sohn des Begründers der 
Firma Philipp Hans, geboren und trat nach Absolvirung der real-technischen Studien als 
Associe in die 1850 erklärte Firma: Philipp Haas ß: Söhne. Obwohl der Vater damals 
noch lebte und fast ein Achtziger bis zu seinem Ende rüstig an den Geschäften lebhaften 
Antheil- nahm, blieb die Hauptaufgabe doch stets auf den Schultern des jüngeren Sohnes, _ 
dn der altere, Robert, wegen seiner schwachen Gesundheit fast bestlndig im Orient: lebte. 
Seinem Verdienste und unendlicher Rührigkeit ismlbgesehen von der oben gewurdigten 
künstlerischen Seite, die rasche außerordentliche commercielle Ausdehnung des Geschaftes 
zu danken, die durch 20 Filialen und Fabriken unter andern in Bradford und Lissone die 
Haasäschen Erzeugnisse in aller Welt heimisch machten. Man kann wohl behaupten, 
dass seit dem Jahre 1845 das Haus Haas sich an keiner Ausstellung betheiligte, ohne 
den ersten Preis zu erhalten. ln Wien 1'873, in Paris 1878 blieb es bereits hors conctvurs, 
was ein Zugestandniss der höchsten Auszeichnung seitens der Jury in sich schließt. Seit 
1878 war Eduard l-laaa durch einen Schlagfluß gezwungen, die Oberleitung des Geschäftes 
zumeist seinem Sohne Philipp zu überlassen und die heurige Ausstellung in der Rntunde 
war eigentlich so recht das erste Hervortreten dieses neuen Leiters. Holfemlich wird es 
diesem gelingen, den Ruhm seines Hauses aufrecht zu halten und wenn möglich zu mehren. 
Schliesslich freuen wir uns mittheilen zu können. dass das Curatorium des (Jesterr. 
Museums mit Genehmigung Snkais. Hoheit des Protectors Erzherzog Rainer beschlossen hat. 
eine Gedenktafel für Herrn Eduard Ritter von Haas in den Arcaden des Museums- 
gebäudes anbringen zu lassen. Es ist dies der erste Fall, dass unser Institut in die 
Lage kommt, dem hervorragenden Verdienste um die Kunstindustrie und um das Museum 
die höchste Anerkennung zu zollen. 
Litaraturhericht. 
"Aus dem Graner Domschatzear 5v5 photographische Abbildungen im Auf- 
trage und auf Kosten Sr. Em. des hochwürd. Herrn Johann Cardinal 
Simor, Primas von Ungarn, Erzbischof von Gran, herausgegeben von 
Dr. Jos. Dankö. Gran, 1880. F01. 
Soeben ist eine glänzende Publication über den Domsehatz vnn Uran erschienen. 
Dieselbe umfasst zwei Abthcilungen; die erste führt den Titel: "Geschichtliches. 
Beschreibendes und Urkundliches aus dem Graner Domschatzc." Im Auf- 
trage und auf Kosten Sr. Eminenz des Primas von Ungarn, Erzbischof Cardinal Johann 
Simor. herausgegeben von Dr. Josef Dankd, Domcapitular. Gran, 1880. x68 SS. Folie. 
An diese Beschreibung schließt sich eine Mappe mit S5 Photographien, von Becz ädeä 
ausgeführt, die ganz vurtretflich sind. Sie erhalten aber ihren eigentlichen Werth durch 
den früher angeführten Text, ein Meisterwerk typogruphiscber Ausstattung, aus dem Atelier 
von Holzhausen in Wien. lDr. Jos. Da nkö hat mit fachmännischer Gründlichkeit in dem 
Text alles beigebracht, was zum-Verständniss des Dumschatzes und der Tafeln nöthig ist. 
Der Text ist in deutscher und ungarischer Sprache abgefasst. Einige der Xylographicn 
sind nach den stylgerechten Entwürfen von Hans Macht ausgeführt. 
Das Prachtwerk gereicht dem Cardinal Simor und dem gelehrten Domcapitulur 
Jos. Dankö zur Ehre. Der Güte desErstgennnnten verdankt die Bibliothek des Oestert 
Museums den Besitz eines Exemplmres des Pracbtwerkes
	        

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