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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XV (1880 / 183)

 
heiligen Gisela" uöd Valeric kaufen "zu können; gehört zu den größten 
Schwierigkeiten. ' 
Jedes Volk hat mehr oder weniger ein lebhaftes Bedürfniss, seine 
Wohnungen oder Kirchen mit religiösen Bildern zu schmücken, wie oft 
werden aber nicht dem Volke auf Jahrmärkten und in Städten Bilder zum 
Kaufe angeboten, die eher darnacH angethan sind den betreffenden Heiligen 
als Carricatur erscheinen zu lassen, anstatt durch den Anblick desselben 
zur Andacht zustimmen. ' 
Wie feinfühlig hierin oft selbst "der gemeine Mann ist, davon habe 
ich mich auf einem Jahrmarkte im südlichen Ungarn überzeugt, wo ein 
Bauer keinem der daselbst zumvVerkaufe ausgestellten Heiligenbilder 
Geschmack abgewinnen konnte - bis ihn endlich der sanfte Augenaufschlag 
und die lieblichen Gesichtszüge eines Bildes so sehr fesselten, dass er es 
käuflich erwarb, Dieses Bild, es stimmte ihn andächtiger avls alle die 
rhürrischen, verzeichneten farbenbekleksten Christuse, und der Bauer wusste 
gar nicht, dass er statt eines Heilgenbildes - das Porträt des jungen 
Königs von Baiern gekauft habe. 
Böhmen besitzt eine verhältnissmäßig gebildete und; wohlhabende 
Bevölkerung, allein der Kunstfreund wird auf der Suche nach landesüblichen 
Helligenbildern sich geradezu entsetzen müssen, was man diesem Volke 
tingestraft für Heiligenbilder verkaufen darf. 
Eine Sammlung von Bildern böhmischer Landespatrone, die ich mir 
studienhalber nach St. Petersburg schicken ließ, liefert den besten Beweis, 
dass es in Oesterreich keine geistliche Censur gibt. 
ln Russland wäre es unmöglich, dass irgend ein Farbenklekser oder 
Speculant im Publicum Heiligenbilder verbreiten dürfte, die aller historischen 
Wahrheit in's Gesicht schlagen, die jedem Anstande Hohn sprechen-und 
eher Abscheu als Liebe für bildliche Darstellungen von Märtyrern des 
Christenthums erwecken. ln Russland wird seit ieher eine strenge geistliche 
Censür über alle Heiligenbilder geübt, die dem Volke verkauft werden 
dürfen. 
Darum hat sich auch hier die historisch getreue Tradition in der 
Herstellung von Heiligenbildern erhalten. 
Äls eidßeispiel dafür, zu welchen Ausgeburten eine censurlose 
Heiligenbilderfabrication führt, erwähne ich dreier bei M. Hofmann in Prag 
gedruckter Bilder, die sämmtlich die mährischen Landcspatrone Cyrill und 
Methüd darstellen Sollen. 
Während dieselben auf einem Bilde historisch getreu in der Tracht 
griechischer Mönche mit langem Haar und Vollbart mit der lkona und 
dem griechischen Kreuze in der Hand und dem historischen Klopuk auf 
dem Haupte dargestellt sind, erscheinen diese beiden Slavenapostel auf 
einem zweiten Bilde in der Tracht eines modernen Weihbischofs mit Glace- 
handschuhen und mit der hohen, lvor inoo Jahren noch vollständig un- 
bekannten Mirra" auf dem Haupte.
	        
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