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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe VIII (1873 / 93)

Joz 
ziemlich unvermittelt nebeneinander stellt, lässt mich daher auch nicht 
glauben, dass diese ohne fremden Einfluss, ja ohne fremde Einwanderungen 
vor sich gehen konnten. Der Unterschied ist meiner Ansicht nach ein 
weit grösserer, als zwischen der Zeit des polirten Steins und den ur- 
ältesten unter diluvialem Lehm gebetteten Erzeugnissen der urältesten 
Menschensiedelungen. Ich stimme deshalb nicht Jenen bei, welche in 
den Pfahlbewohnern unsere directen Vorfahren erblicken, wenn auch un- 
zweifelhaft im Norden der Contrast zwischen beiden Epochen minder 
gross ist, und vorzüglich der Dolmenbau von einer Epoche in die andere 
übertragen wird. Andererseits stelle ich mir aber auch nicht vor, dass 
ein eingewandertes Volk die ursprünglichen Einwohner gänzlich vertilgt 
haben müsse, sondern ich nehme das natürliche Verhältniss des Siegers 
gegen den Besiegten, des Herrn zum Sclaven an, wobei ich an die alten 
Schriftsteller erinnere, welche die Germanen und Gallier, die Helveter, 
Sempronen u. s. w. als wesentlich kriegerische Völker kennzeichnen, welche 
die Besorgung des Ackerbaues und der häuslichen Verrichtungen ihren 
Sclaven überliessen. 
Zu solchen Sclaven würden sich aber unsere Naturvölker der Stein- 
zeit sehr wohl geeignet haben, deren feste Wohnsitze, deren Beschäfti- 
gungen uns ein friedliches Volk erkennen lassen. Bei der vielfachen Ver- 
mischung und der endlichen Verschmelzung dieser einst verschiedenen Racen, 
bei der gegenseitigen Beeinflussung und den geringenhistorischen Nachrichten, 
die wir von dieser Zeit haben, ist es nicht leicht, diese Ansicht unum- 
stösslich zu begründen, da auch die Anthropologie, welche durch Ver- 
gleichung der Menschenschädel die differenten Racen erkennen würde, 
durch Mangel an Materiale und vielfach widersprechende Erscheinungen 
zu keinem definitiven Schlusse gelangen kann. Jedenfalls aber anerkennen 
wir schon in der Auswahl der Mittel, die aller-einfachsten Lebensbedürf- 
nisse zu befriedigen, in den primärsten Constructionen und Industrien 
der Menschen die Fähigkeit einer überlegten Wahl, eines zielbewussten 
Handeln und es ist sehr bemerkenswerth, dass bei den vorgeschrittenen 
Mitteln, welche uns heute zu Gebote stehen, es uns leichter wird, eine 
neue Combination für eine industrielle Thätigkeit zu erfinden, als mit den 
geringen Mitteln der Steinzeit ihre Technik nachzuahmen. 
So hat es fast ein Jahrzehent gedauert, bis der Streit über die 
Bohrung der Steinhämmer zu einem Abschluss gelangen konnte, und auch 
die Construction des uralten Webstuhles bedurfte vielleicht mehr Nach- 
denkens, als die neue Einrichtung einer kolossalen Spinnfabrik. Der 
Mensch selbst veränderte sich aber seinem Wesen nach weit weniger als 
wir uns gemeiniglich vorstellen. 
Doch durch die Summe der Erfahrungen von Jahrtausenden, deren 
Resultate uns allen zu Gute kommen, sind wir von vornherein die reichen 
Erben der angehäuften Schätze unserer Vorfahren, so dass wir, wenn wir
	        

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