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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe VIII (1873 / 93)

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Bei allen Aspiranten werden zum Eintritt in die Anstalt, welcher regelmässig beim 
Beginn des Curses stattzufinden hat, im Laufe desselben aber nur ausnahmsweise gestattet 
werden kann, folgende Bedingungen vorausgesetzt: 
i. Ein Alter von wenigstens i5 Jahren, 
2. die erfolgte Schutzpockenimpfung, 
3. die Einwilligung des Vaters oder dessen Stellvertreters, sofern der Eintretende 
noch nicht mündig ist, 
4. der Besitz der erforderlichen Vorkenntnisse. 
Von den für einzelne Unterrichtsgegenstande eintretenden Schülern wird ausserdem 
noch verlangt: 
5. der Nachweis einer genügenden Beschäftigung in ihrer Freizeit. 
Der Lehrplan muss ein mehrfach zusammengesetzter sein, indem er in jedem 
Cursus nicht nur nach dern von den Schülern gewählten Benife, sondern auch nach der 
verschiedenartigen Vorbildung und den von Einzelnen besonders erstrebten Zielen zu m0- 
dihciren ist. Deshalb zerfallen die Lectionen in jedem Curs in obligatorische und facul- 
tative, und erstere wieder in allgemeine für alle Schüler, und in besondere für die 
mechanisch-technische Schule (Abtheilung A) und für die chemisch-technische Schule 
(Abtheilung B). 
Die einzelnen Lectionen nun sind folgende: 
Erster Curs (3 Halbjahre). l. Obligatorisch, a) gemeinschaftlich für alle Schüler: 
i. Deutsche Sprache (wöchentlich 3 Stunden). Praktische Uebungen in Anfertigung 
der Abhandlung und Rede, sowie im mündlichen Vortrag. Stylistik (Logik und Rhetorik) 
nach Kappes. Poetik. Lectüre. - z. Freihandzeichnen (wöchentlich 4 Stunden im 
i. und z. Halbjahr). Der Unterricht beginnt mit dem Zeichnen von Contouren und geht 
dann über auf das Zeichnen von Gypsornamenten mit plastischer Wirkung auf weissem 
Papier. -- 3. Darstellende Geometrie (wochentlich 4 Stunden im i. und 2. Halb- 
jahr). Stereometrische Hilfssatze; graphische Bestimmung von Punkten, Geraden und 
Ebenen mit Uebungsaufgaben; Ableitung wahrer Grössen aus den Proieetionen und rich- 
tiger Projectionen aus gegebenen Bestimmungsstocken; Uehergang von einem Tafelsystem 
zu einem andern; Polyeder-Projectionen, Schnitte von Polyedern mit Ebenen, Geraden 
und Polyedern; Netzbildung und Modelliren. - 4. Mathematik (im i. Halbjahr wöchent- 
lich 8 Stunden, im 2. und 5. wöchentlich 6 Stunden). Nach einer ausführlichen Wieder- 
holung und beziehentlich ergänzenden Erweiterung der beim Eintritt vorausgesetzten 
Abschnitte aus der Ziifem- und Buchstabenrechnung, Algebra, Planimetrie, Goniometrie 
und ebenen Trigonometrie folgen zunächst die noch fehlenden, zum Bereiche der niederen 
Mathematik gehörigen Zweige der allgemeinen Arithmetik, der Algebra und der Stereo- 
metrie; dann als Anwendung: Zinseszins-, Sparcassen- und Renten-Rechnung. Elemente 
der Wahrscheinlichkeitsrechnung. Lebensversicherungsrechniingen. Der erste Theil der 
analytischen Geometrie der Ebene. - 5. Physik (wöchentlich 4 Stunden). Die allge- 
meinen Eigenschaften der Körper; das Wichtigste aus der allgemeinen Beweguugslehre 
der Lehre von dem Gleichgewicht, der Bewegung und den Molecularverhältnissen starrer, 
tropibarer und gasiger Körper, Reibungs- und lnHuenz- Elektricitat, Wirkungen des Ent- 
ladungsstroines, Berührungselektricitat (die wichtigsten Satze der Elektrodynamik), Elek- 
trolyse; Magnetismus und Elektromagnetismus. Allgemeine Wellenlehre, Akustik. -- 
6. Allgemeine Chemie (im i. und 2. Halbjahr wöchentlich 4Stunden, im 3. wochent- 
lich 2 Stunden). Anorganische Chemie: Chemische Grundbegrille; Stochiometrie. Begriff 
von Atom und Molecül. Werthigkeit der Elemente. Besprechung der einzelnen Grundstolfe 
und ihrer wichtigeren Verbindungen mit Zugrundelegung der neueren Schreibweise. 
Abriss der organischen Chemie: Gruppirung der organischen Verbindungen. Betrachtung 
der wichtigsten derselben. - 7. Baukunde und Bauzeichnen (wöchentlich GStunden 
im 2. und 3. Halbjahr). Vortrag über allgemeine Bauconstructionslehre: Besprechung 
und Darstellung der wichtigsten Bauconstructionen in Stein, Holz und Metall, als: Ver- 
bande, Wände, Gewölbe, Treppen, Balkenlagen, Dachgerüste, Dachdeckungen, etc. Bau- 
zeichnen unter Bezugnahme auf den Vortrag nach gegebenen Skizzen. 
b) Für Abtheilung A (Mechaniker): ö. Tuschübungen (wöchentlich 4 Stunden 
im 3. Halbjahr). Tuschen von geometrischen Körpern, Maschinentheilen und einfachen 
Maschinen mit Benutzung iithographiseh dargestellter Contourzeichnungen. - g. Dar- 
stellende Geometrie (wöchentlich 4 Stunden im 3. Halbjahr). Ebene und gewundene 
Curven und ihre Projecüonen; Erzeugung und graphische Darstellung der Cylinder-, 
Kegel- und Drehungaflachen; die windschiefen Kegeldachen in ihren einfachsten Anwen- 
dungen; Bestimmungen von Tangentialebenen und Tangenten an krummen Flächen; 
Durchschnitte krummer Flachen mit Ebenen, Linien und Flachen. - io. Praktische 
Geometrie (woehentlich 'l, Tag im 3. Halbjahr). Praktische Uebungen im Feldmessen, 
 
fbrtsequng auf der Beilage.
	        

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