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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe X (1875 / 114)

gen Schnitzschule, ein reiches Stück mit zahlreichen Figuren. Aber nur 
die Figuren sind gut, die Anordnung, die gedrängte, beengte Composition 
ist auf das vollständigste verfehlt. Der Arbeit der Figuren entspricht 
auch die des Ornamentes in keiner Weise. Aehnliches ist bei einem klei- 
neren Kasten von Moriggl in Brunneck der Fall, wo die schlechte Tisch- 
lerarbeit den Werth der Schnitzerei vollständig beeinträchtigt. Solche 
Arbeiten müssen, bis zu einem gewissen Grade wenigstens, vollkommen 
oder gleichmässig in jeder Beziehung sein, sonst sind sie nicht einmal 
wfür das Lands gut genug. Beachtenswerth um ihrer Entstehung willen 
erscheinen noch die aus den Schulen oder Ateliers der Strafanstalten 
herrührenden Möbel und Schnitzereien. B. Ludwig, der die Sträflinge in 
Garsten für seine Möbelfabrik beschäftigt und ihnen Lehrer und Meister 
hält, hat von ihren Arbeiten einen Kasten und ein paar Sessel in Eben- 
holz mit Elfenbeineinlagen nach Mailänder Art ausgestellt, die in ihrer 
Ausführung ganz vortrefflich sind. Man sieht, wie weit man auch mit 
solchen Kräften bei Geduld, Fleiss und geschickter Leitung kommen 
kann. Dasselbe ist von den Rahmen und anderen, zum Theil höchst 
kühnen Schnitzereien zu sagen, die der von Chr. Ulrich gehaltenen 
Schule der Strafanstalt zu Stein entstammen. Uebrigens zeigt die Ausstel- 
lung noch andere gute Schnitzarbeiten, darunter eine Füllung mit reichem, 
zierlichen Laub von Jäckl ein kleines Meisterstück ist. 
Genügt uns die Möbelausstellung nicht zu einem allgemeineren 
Urtheil, so lässt uns ein anderer Zweig der Ausstellung, dessen wir zum 
Schlusse noch gedenken wollen, nicht im Unklaren. Wir meinen die 
Chromolithographien, die mit den vier Anstalten von Sommer, von 
Reiüenstein, von Geiger und von Hölzel verhältnissmässig reich und in 
ziemlich gleichförmiger Weise vertreten sind. Die Auswahl, die uns vor- 
geführt wird, umfasst mehrere Jahre; das Beste ist gewiss darunter und 
das Urtheil, das wir über Art und Leistungsfähigkeit uns bilden, wird 
wohl der Sachlage entsprechend sein. Da die Gegenstände aber als Ver- 
vielfältigungskunst mehr der reinen Kunst denn der Industrie angehören, 
so begnügen wir uns mit einigen allgemeinen Bemerkungen. 
So viel ist gewiss, das Höchste leisten diese Arbeiten nicht; es wäre 
aber auch ungerecht, diese Anforderung an sie zu stellen. Sie streben 
auch nicht mehr an, als das Beste in den Kreisen, wo es des hohen 
Preises wegen nicht erreichbar ist, durch Gutes und Billiges, möglichst 
Gutes, so weit es auf ihrem Wege herzustellen ist, zu ersetzen. Sie wollen 
einen billigen Ersatz bieten für theure Oelgemälde, einen Ersatz, der 
nicht dem Originale gleichkommt, aber mässigen Wünschen, namentlich 
in decorativer Hinsicht, entspricht. Wenn wir bedenken, was sonst an 
Lithographien und colorirten oder illuminirten Bildern das Bürgerhaus 
oder die öffentlichen Locale uns zeigten, wenn wir zurückblicken oder 
noch heute auf das sehen, was die populäre Kunst in weltlichen und 
religiösen Gegenständen uns vor Augen führt, so müssen wir der Chro-
	        

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