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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe X (1875 / 114)

Von dieser Gattung Ornarnentik in der Schrift verschieden, weil 
auf anderen Principien beruhend, ist jene, zufolge welcher die Schrift- 
züge blumenartig verflochten oder verästelt, die ornarnentale Wirkung 
üben. Hier erweist sich in der Regel das Ornament nicht als eine Ver- 
schmelzung mit dem Schriftkörper, sondern nur als ein äusserer Zu- 
wachs an seinem, meist schriftwidrigen Ausläufer. Eine Probe davon, 
wie sie hauptsächlich Inschriften des 12. und 13. Jahrh. n. Chr. liefern, 
gibt das folgende Schriftband: 
[Iälääiäil 
Es mag wohl in seiner scheinbar wirren Composition dem Unein- 
geweihten einen "gewissen mysteriösen Anblick: gewähren; uns zeigt es 
sich gleichwohl sehr einfach als ein Bruchsttick des m8. Verses der 
XVI. Sure des Korän's, welches lautet: 
nWahrlich, Alläh ist nur mit Denen, welche in Gottes- 
furcht glaubenm 
Sollten die Anhänger des orientalischen Schriftmysticismus nach 
der hier gelieferten Probe dennoch den Glauben versagen, so könnten 
wir ihnen allerdings auch nur wieder mit dem Korän zurufen: nGenug 
für jetzt, später werden sie schon selber zur Erkenntniss kommenu "')_ 
Wir gelangen nun zur zweiten Gruppe: der Ornamentik aus der 
Schrift. Sie kennzeichnet sich in ihren Anfängen durchzeine gewisse Auf- 
einanderfolge oder Ineinanderstellung der Buchstaben, wonach dem Be- 
schauer ein künstliches, geometrischen Figuren sich näherndes Bild ge- 
boten wird. Obgleich dabei der Schriftcharakter schliesslich mehr als je 
von der ursprünglichen Reinheit sich entfernt hat und in dieser seiner 
Degeneration oftmals schon Ursache der peinlichsten Verlegenheit ge- 
lehrter Orientalisten geworden ist, so begegnet man in ihm doch noch 
correcten Texten. Diese Art von Ornamentik aus der Schrift eignete sich 
vorzüglich zu Füllungen an Werken der Architektur und Kunst; wir 
begegnen ihr namentlich seit dem XIV. Jahrhundert an Moscheen und 
anderen Gebäuden, auf Gefässen, Siegeln, Münzen u. s. w. Um einen 
Begriff von der Fügsarnkeit der arabischen Schriftzüge für derlei Zwecke 
man: zu geben, habe ich mit der nebenstehenden Abbildung ein sol- 
 ches Füllungsornament einfachster Gattung aus dem XIV. Jahrh. 
 herausgegriffen. Der hiebei verwendete; Text ist in der so- 
genannten Quadratschrift (el-chatt el-rnurabba) geboten und 
m) sure XLIII, Verß 39-
	        

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