MAK

Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe X (1875 / 121)

vorgerückten Schüler können auch zur Theilnahme an der Unterweisung im Holzschnitzen 
und Herstellen galvanoplastischer Nachbildungen zugelassen werden. 
Die zum Zeichnen, Malen und Modelliren erforderlichen Materialien, ausgenommen 
ein kleines Reisszeug, das jeder Schüler mitzubringen hat, werden durch die Anstalt ge- 
liefert. Als Beitrag zu dem damit verbundenen Aufwande hat jeder Schüler für die Zeit 
vom Beginn bis Ostern ro Mark, für den Rest des Curses 6 Mark im Voraus zu entrichten. 
Vorausgesetzt für die Zulassung zum Unterrichte beider Abtheilungen wird, dass 
die Bewerber bereits das 16. Lebensjahr zurückgelegt und eine zweiclassige Gewerbe. 
schule mit Erfolg besucht haben, oder den Besitz der Kenntnisse und Fertigkeiten im 
Zeichnen, welche an einer solchen erworben werden können, nachweisen. 
(Goldachmiedsohule in Paris.) ln Paris wird vom Syndicate der Biiouterie- 
Fabrikanten eine Fachschule errichtet, welche alle Zweige der Bijouterie umfassen soll. 
(Alterthümer von Maria-Rast.) Professor Alfons Müllner hat seine Grabungen 
bei Maria-Rast in Steiermark fortgesetzt und wieder einen reichen Fund gemacht. Es 
wurden neuerdings ausgegraben: gegen roo irdene Geschirre und 60 Bronzestücke, dar- 
unter eine vollkommene Garnitur, bestehend aus Fingerringen, Armringen, Brochen und 
Ohrgehangen 1m Ganzen sind bisher auf einem Flachenraume von 59 Geviertklaftern 
lll Grabstätten geöffnet worden, darunter t5 vom Eigenthümer des Feldes (Marin) und 
9G vom Herrn Professor Müllner. Die Gesammtzahl der Funde beläuft sich auf x80 
Gefasse und 80 Bronzestücke. - Eine halbe Stunde von Maria-Rast entfernt - bei Hollern 
- hat man zwei Hügelgräber genönet und darin Geschirre aus karntnerischem Thon ge- 
funden, welche aber nicht mit freier Hand geformt, sondern auf der Töpferscheibe gedreht 
worden. 
(Antiker Goldsohmuok.) Bei der Hafenstadt Kertsch in der, Krim, bekanntlich 
einem ergiebigen Fundort für Alterthümcr aus scythischer, griechischer und römischer 
Zeit, entdeckte man abermals bei einer Grundsteinlegung eine gemauerte Gruft und darin 
einen ciselirten Kopfschmuck aus gediegenem Gold, der theils einer Krone, theils einem 
Helme gleicht, dann zwei goldene Becher, einen Ring mit einem Edelstein, der mit einer 
pxydirten Kruste überzogen ist, eine zerbrochene goldene Krone, mehrere goldene Agtaffen, 
eine Goldmünze mit dem Bilde Alexanders des Grossen und eine prächtige, leider zer- 
brochene Vase mit Zeichnungen in dunklen Farben auf rothem Grund und mehreren 
griechischen lnschriften. Man hofft, die Vase wieder zusammenkitten zu können. Sie und 
die anderen Funde scheinen unter einer Feuersbrunst gelitten zu haben. Das Gewicht der 
goldenen Schmucksachen übersteigt 300 Zolotniks (russische Lothe). 
(Museum für Alterthümer.) ln Rothenburg a. d. Tauber wird ein Museum 
gegründet, in welchem die noch vorhandenen Alterthümer aufgenommen werden sollen. 
(Die Madonna von Brügge.) Die interessante Streitfrage über die Echtheit oder 
Unechtheit der dem lilichel-Angelo zugeschriebenen Marmorstatue dieses Namens erfährt 
eine neue Anregung durch folgenden in Nr. 3o der i-Chronique des artsß (Supplement 
zur "Gazette des beaux-artsu) publicirten Artikel von Louis Gonse, den wir in theilweiser 
Uebersetzung mittheilen: 
Der Verfasser gibt zuerst eine Schilderung der bekannten Gruppe, von der auch 
das österreichische Museum einen Gypsabguss besitzt, sodann geht er auf den eigent- 
lichen Fragepunkt ein, indem er die differirenden Ansichten über die Umstände, unter 
welchen das Kunstwerk nach den Niederlanden gelangt sei, entwickelt. 
-Wenn nun die Anschauungen über seine Schönheit ungetheilt waren, so gingen sie 
um so mehr auseinander, was seinen Ursprung betrifft. Nach dem Einen ware es eine 
Beute gewesen, welche holländische Corsaren bei Genua gemacht hatten und wurde im 
16. Jahrhundert nach Amsterdam gebracht. Nach den Andern wurde es in Italien direct 
für Kaufleute von Brügge verfertigt. Nach den Einen rührt es von dem grossten Bildner 
ltaliens, von Michelangelo her - man ging selbst soweit, zu behaupten, dass wückwarts 
an dem Blocke der Sculptur eine Hohlung sich finde, worin noch die Originalbriefe über 
den Ursprung auf Pergament geschrieben, enthalten seienß - was aber niemals dargethan 
wurde. Für Andere stammte es von einem der Schüler her, etwa Torrigiani z. B., welcher 
sich in Flandern aufgehalten, ehe er nach England zog. 
"Heute ist kein Zweifel mehr zulässig. M. Reiset hat in einer kleinen Brochure, 
die er an M. Barbet de Jouy richtet, die Frage auf bestimmte Weise in Erwagung 
zgeogen und zwar mit Hilfe einer Bemerkung Condivi's, welche mit einem von James 
Weale in Brügge entdeckten und in seinem ausgezeichneten kleinen Buche: Bruges et ses 
environs veröffentlichten Document zusammengehalten wurde. Die Madonna von Brügge 
wurde direct von Michel-Angelo durch die Familie der Moscron, v-famiglia nobilissimaß, 
gckuult und der Kirche Nötre-Dame 15m durch Peter Moscron geschenkt. Es ist wahr, 
dass Cnndivi von ein er Bronze spricht und nicht von Marmor, aber es ist nicht schwer 
anzunehmen, dass ein Gedachtnissirrthum bei Michel-Angelo die Täuschung veranlassen 
konnte. Oder, was noch viel wahrscheinlicher ist, dass er vielleicht eine Wiederholung
	        

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