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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe X (1875 / 122)

derselben verbundene Verlagsbuchhandlung; im folgenden Jahre wurde er zum Universitats- 
Buchdrucker ernannt und als "Civis Academicus- immatriculirt, erhielt auch den Titel 
Kaiserlicher Reichs-Hof-Buchdrucker, im Jahre 1730 wurde er zum Universitats-Buchhändler 
ernannt. 1806 übernahm Carl Gerold das Geschäft seines 1800 verstorbenen Vaters; 
unter ihm erfolgte u. a. die Verlegung des Sortimentsgescbäftes an den Stephansplatz. 
184g wurden die Chefs der Firma die Herren Friedrich und Moriz Gerold, welche heute 
noch der Buchdrudterei und dem Verlagsgeschäfte verstehen, während das Sortiment 
1867 unter der Firma Gerold 8: Camp. an die Herren Pauli und Demuth übergegangen 
ist. - Das Fest fand statt unter lebhafter Betheiligung der Geschaftsgenossen von nah 
und fern, der Gelehrten, Schriftsteller und Künstler, welche durch die ausgedehnte Ver- 
lagsthatigkeit des Hauses mit diesem in Beziehung stehen. Eine musterhaft ausgestattete 
Festschrift nZur hundertjährigen Gründungsfeier des Hauses Geroldn gibt 
einen Ueberblick über die Entwicklungsgeschichte des Geschäftes, welches in Oesterreich 
den ersten Platz unter seinesgleichen behauptet und dessen Bedeutung sich weit über die 
Grenzen des Reiches erstreckt. - 
(Der Kunstverein fürBöhmen), welcher am 3. October unter Vorsitz des Herrn 
Grafen Albert Kaunitz die Jahresversammlung hielt, ist nach dem Geschäftsberichte in 
erfreulicbem Fortschreiten begriffen. Derselbe constatirt, dass die Zahl der Vereinsmit- 
glieder von 38m Mitgliedern mit 4tgo Actien auf 3832 Mitglieder mit 4210 Actien ge- 
stiegen ist. Die Kunstausstellung ergab einen Gesammterlös von 3046 B. 40 kr., von 
welchem ein Reinertragniss von 354 B. 73'], kr. erzielt wurde. Der Ankauf von Kunst- 
werken durch Private hat ebenfalls bedeutend zugenommen. Der Verein kaufte zur Ver- 
losung 32 Kunstwerke für 7253 fl. 94 kr. Der zur Schaffung von öffentlichen Kunst- 
werken bestimmte Fonds erreichte wahrend seines 35iahrigen Bestandes die Summe von 
253.597 G. 49 kr. Die Ausgaben betrugen dagegen 170.939 fl. 26 kr. und es erübrigten 
daher Ende des Jahres 1874: 82.658 fl. 23 kr., welche theils in der böhmischen Spar- 
casse, theils in Silberrente angelegt sind. Aus diesem Fondsvermögen sollen vorläufig 
20.000 B. zur Ausschmückung der St. Anna-Capelle im Veits-Dome verwendet werden. 
(Das reichhaltige Archiv des Schlosses Wolkenatein-Rodenek) wurde, wie 
der v-Tir. Boten meldet, vom Germanischen Museum in Nürnberg angekauft. 
(Das Kaulbach-Muaeam), welches die Witwe Kaulbach's für die in ihrem Besitze 
betindlichen Arbeiten ihres Mannes neben ihrem Wohnhause in München erbaut hat und 
welches in grosser Reichhaltigkeit Arbeiten des berühmten Meisters, anfangend von seiner 
frühesten Zeit bis zu der letzten Arbeit, dem wdeutschen Micheh, enthält, ist nun vollen- 
det, und wurde nach der hochherzigen Bestimmung der Witwe von Sonntag den 3. Oc- 
tober an dem kunstsinnigen Publicum gebifnet. Der geringe Eintrittspreis ist zum Besten 
des Münchner Künstler- und des KünstlerwitwensUnterstützungsvereines bestimmt. 
(Die Madonna. von Brügge.) Ad. Siret veröffentlicht in Nr. 19 des Journal 
des beaux-arts et de la litterature (Bruxelles, t5. Octobre 1875) einen Artikel über die 
Brügger Madonna, den wir hier in Uebersetzung folgen lassen: 
M. Ch. Noe macht uns gelegentlich der Discussion, welche sich betreffs der Echt- 
heit der dem Michel-Angelo zugeschriebenen Brügger Madonna erhoben hat, aufmerksam, 
dass ein, zehn Jahre vor dem Tode des grossen Bildhauers ausgestelltes Document diese 
Echtheit beweist. In der Tbat liest man in dem Werke v. Vaernewyck's einen in Flamin- 
discher Sprache geschriebenen Passus, aus dem sich ergibt, dass die Statue wohl von 
Michel-Angelo herrtihrt. Hier die Stelle aus van Vacrnewylfs Buche: 
nUnd in Unserer Lieben Frauen Kirche befindet sich auch ein Marienbild von 
weissem Marmor in Lebensgrdsse, verfertigt durch die sehr kunstreiche Hand von Michael 
Angelus Bonarotus von Florenz, und ist mit grosseo Kosten aus Rom geholt und bezahlt 
mit circa viertausend Gulden ohne die Kosten, welche sich noch daran schlossen, für 
zwölf Darstellungen von Unserer Lieben Frau (Xll parcken, compartiments, Felder), 
damit das Stuck in eine überkostliche Tafel gekleidet werden solle, von der man glaubt, 
dass sie sechs Pfund Groschen kosten wird. Der Meister davon ist Jan d'l-leere aus Gent, 
der das Modell (P patroon) gemacht hat und Meister Lucas, dessen Sohn, hat es gezeichnetm 
Man sieht, die Stelle des alten Geschichtsschreibers von Gent lässt keinen Zweifel 
über die Echtheit der von Michel-Angelo berrührenden Statue und die Untersuchung 
kann als geschlossen betrachtet werden. 
Das Citat, welches wir gegeben haben, spricht von einem köstlichen Altargehause, 
welches d'l'leere hatte ausführen sollen. Ohne Zweifel ist das Proiect nicht zur Vollen- 
dung gediehen oder das Werk ist bereits verschwunden. Der Guide de Bruges von 
M. Weale (1862), welcher die Idee, dass die Statue dem Michel-Angelo fälschlich zugetheilt 
sei, anregte, sagt uns nichts zur Aufklärung aber diesen fraglichen Altar.
	        

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