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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe X (1875 / 122)

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7. Man 1863 an Se. k. und k. Hoheit den durchlauchtigsten Herrn Erzherzog Rainer 
gbÄighith-Gegenahnde aus den Sammlungen des Hofes, des Arsenales vor der Belvedere- 
linie, der Wiener Universität, des Wiener polytechnischen Institutes und anderer öffent- 
lichen Anstalten in der Art aufzunehmen sind, dass diese Gegenstände unter Vorbehalt 
des Eigenthumsrechtes dem Museum dargeliehen und bei ihrer Zurückstellung nach Bedarf 
gegen andere umgewechselt werden. 
In Anbetracht dessen, dass die Gründung dieses Museums bei der zu ihrem vollen 
Gedeihen erforderlichen Grossartigkeit der Schöpfung jedenfalls einige Zeit in Anspruch 
nehmen muss, das Bedürfniss nach einem solchen Institute aber vorzugsweise auf dem 
Gebiete der Kunstindustrie zu Tage getreten ist, ertheilten Se. Majestät der Kaiser den 
Auftrag, dass die Errichtung der bezüglichen Abtheilung des Museums unter Vorbehalt 
der späteren Erweiterung derselben unverweilt erfolge. 
Die bisherige segensreiche Wirksamkeit und unerwartet grossartige Entfaltung des 
k. lt. Oesterr. Museums für Kunst und Industrie in der kunstgewerblichen Richtung lasst 
es jedoch nicht wünschenswerth, ja geradem unmöglich erscheinen, dasselbe durch An- 
fugung einer technischen Abtheilung zu erweitern. Vielmehr müsste ein technisches Ge- 
werbemuseum in Wien als selbstständige Schwesteranstalt zur Errichtung gelangen. 
Dieses Ziel strebte gelegentlich der Wiener Weltausstellung 1873 der General- 
Director W. Freiherr v. Schwarz-Senborn durch die Errichtung einer gemeinnützigen 
Stiftung für Kleingewerhetreihende und Arbeiter in Wien mit der Bezeichnung derselben 
als wkthenaum, Gewerbemuseum und Fortbildungsinstitut- an. Die Mittel dieses Insti- 
tutes, in einem passend situirten Hause (VI, Gumpendorferstrasse Nr. 15), in werthvollen 
Sammlungen, Fondspapieren und Barcapitalien bestehend, reichten jedoch nicht hin, auch 
die Erhaltung und Erganzung desselben zum Gewerbemuseum zu gestatten, vielmehr 
müsste das Vorhandene schon mit Ende 1875 der Auflösung zugeführt werden, wenn 
nicht von Seite des Staates Hilfe geboten wird. __ j 
Eine einfache Dotntion des Institutes -Athenäum1 wurde deshalb nicht zum Ziele 
fuhren, weil die Aufgaben desselben als Fortbildungsinsritut für das Kleingewerbe und 
für Arbeiter in Wien die Zwecke eines technischen Gewerbemuseums als Centralorgan 
für die diesseitige Reichshalfte und für alle jene Zweige der Industrie und des Gewerbes, 
welche der Förderung durch ein technisches Museum bedürfen, nicht vollstandig zu er- 
reichen im Stande ware. 
Seit Beginn des Jahres 1874 machte das Handelsministerium mit erfreulichen Er- 
folge den Versuch, eine Art von Anstalten, welche im Gebiete der Landwirthschaft bereits 
seit längerer Zeit mit Erfolg wirken, auch für einzelne Special-Gewerbszweige in das 
Leben zu rufen. Es sind dies die technischen Versuchsanstalten für Keramik, Email und 
Glas, so wirweitcrs für Lederindustrie in Wien. 
Der Werth dieser Versuchsanstalten beruht weniger auf dem Umfange ihrer Samm- 
lungen als auf der befruchtenden Thltigkeit ihrer Organe. 
Ein technisches Gewerbemuseum müsste daher als Cornplex von technischen Ver- 
suchsanstalten für die wichtigsten, einer Forderung durch die Wissenschaft bedürftigen 
lndustrie- und Gewerbszweige in Verbindung mit den nothigen Hilfsmitteln, wie Samm- 
lungen, Bibliothek. Laboratorien, Werkstätten, F achcursen, Vortragen etc" gedacht werden. 
In diesem Sinne arbeitete im Auftrage des Handelsministeriums ein aus den Pro- 
fessoren E. Hartig in Dresden und A. Bauer, W. Exner, L. Hauffe in Wien zu- 
sammengesetztes Comite ein Programm aus, wonach das technische Gewerbemuseum aus 
Versuchsanstalten, einem Lehrinstitute und Sammlungen bestehen soll.- 
Die Versuchsanstalten und Laboratorien des technischen Gewerbemuseuml wurden 
folgende sein: 
1. Section für Chemie, 
g, n 1 Färberei, Druckerei und Appretur, 
3, . 1. Gerberei, 
4_ 1 - Mechanik, 
5, .. - Untersuchung der technischen Eigenschaften von Bau- und Ma- 
schinenmaterialien, 
5, . 1 Metallbearbeitung, 
7, 1. . Holzbearbeitung, 
3, n s Textil-Industrie. 
Die Gesammtkosten für das technische Gewerbetnuseum werden auf 104,000 a, 
die der Versuchsanstalten auf 113.000 H. veranschlagt, man hoßt aber für das Jahr i876 
mit 100.000 G. auszukommen, um wenigstens mit der Errichtung beginnen zu können.
	        

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