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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe X (1875 / 116)

zu besuchen und jede der drei ist ihm erreichbar, ohne dass er erst genbthigt hätte, 
andere Schulen zu passiren. Nachdem die Seitealichtsale überall an den Oberlichtraumen 
liegen und durch Thuren vereinigt sind, so wird es leicht, je nach der Forderung der 
Bilder, Oberlicht oder Seitenlicht anzuwenden, ohne die chronologische Reihe zu stören. 
Das erste Erforderniss aber für den unverkümmerten Genuss bei Betrachtung von Kunst- 
werken: Raum und Licht, wird für jedes einzelne Werk genug und gut vorhanden sein. 
Diese Aufstellungsart hatte ausserdem auch noch den Vortheil, dass den etwa in späterer 
Zeit eintretenden Veränderungen in den Proportionen der Schulen unter einander leicht 
Rechnung getragen werden konnte, weil dann die Verschiebung der Grenzen zwischen 
den einzelnen Schulen nach Bedarf vorgenommen werden könnte. Gegenwärtig nimmt 
die niederländische Schule weitaus den grössten Raum in Anspruch. Das Anwachsen der 
modernen deutschen Schule kann aber mit der Zeit eine Vermehrung des Raumes noth- 
wendig machen, was dann leicht durch ein Uebcrgreifen in die niederländischen oder 
italienischen Räume erzielt werden kann. 
Ich habe noch des zweiten Stockwerkes Erwähnung zu thun, einer langen Reihe 
von Sälen, welche über den Seitenlichtsälen der Galerie liegen und mit ihren Rückwänden 
an den oberen Theil der Oberlichtsale grenzen. Diese sind bestimmt, die Sammlung von 
Freihandzeichnungen und Kupferstichen aufzunehmen, und werden zugleich die Copirsäle 
und alle Arbeitsräume der Galerie, z. B. jene der Restaurirschule, repräsentiren. Dort 
werden auch alle jene Werke Raum finden. welche der Art der Technik nach, in welcher 
sie ausgeführt sind, mehr zu den Handzeichnungen neigen, z. B. Aquarelle undxPastellbilder. 
Am Schlusse dieser Mittheilungen möchte ich nicht versäumen, zu betonen, dass 
das hier erklärte Project der Aufstellung keinen anderen Anspruch erhebt als den, eine 
Skizze in grossen Zügen zu sein, und dass ich mir Vorbehalte, im Verlaufe der ferneren 
Arbeiten noch öfter darauf zurückzukommen, schon aus dem Grunde, damit ich Gelegen- 
heit habe, verschiedene, vielleicht von der meinigen abweichende Anschauungen zu hören 
und zu beachten. 
KLEINERE MITTHEILUNGEN. 
tGOSOhGnk.) Das Oesterr. Museum hat von dem französischen 
Gouvernement durch Vermittlung des ausgezeichneten Kunstgelehrten 
Herrn Alfred Dareel, Directors der Gobelinsfabrik, ein sehr werth- 
volles Geschenk erhalten. Dasselbe besteht in einem 5'], Schuh hohen und 
8'f_., Schuh breiten Tableau, welches den Lehrgang an den beiden Schulen 
der Anstalt darstellt, der Ecole de tapisserie und der Ecole de tapis. In 
der ersteren wird die eigentliche oder Hautelisse-Gobelinfabrication ge- 
lehrt und zwar im ersten Jahrgange die Herstellung einzelner Farbentöne, 
dann die Mischung, Abtönung u. s. w., im zweiten Jahrgange die Aus- 
führung von Blumen, Gewändern, Extremitäten des menschlichen Körpers, 
im dritten endlich die Ausführung von Köpfen. Die andere Abtheilung 
beschäftigt sich mit der Fabrication von Teppichen, deren OberHäche dem 
geschorenen Sammt gleicht; im ersten Jahre werden nur ungebrochene 
Farben neben einander gestellt, im zweiten folgt die Ausführung von 
Teppichen en camaieu und im dritten Blumenstücke. Das Tableau gibt 
nun von jeder Lehrstufe der beiden Abtheilungen ausgezeichnete und in 
hohem Grade instructive Proben. Der nach Raphael ausgeführte Kopf 
zeigt die Gobelinsfabrication in ihrer Vollendung. Das Tableau ist in dem 
Sitzungssaale (im ersten Stock) ausgestellt. 
(Die Gesellschaft zur Förderimg der Kunstgewerbeschule 
des Oesterr. Museums) hielt am 12. April ihre fünfte Jahrcsversamm- 
lung. Der vom Vorsitzenden Edm. Graf Zichy erstattete Jahresbericht 
constatirt die immer steigende Anerkennung der Leistungen der Schule 
und hebt namentlich zwei Ereignisse als für die Schule von besonderer 
Bedeutung hervor. Das erste ist der eben begonnene Neubau der Kunst- 
gewerbeschule; das zweite, für das Institut besonders bedeutende Ereig-
	        

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