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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XI (1876 / 124)

lichen die gleichen, nur hat ihnen Schaffner Gefässe in naturalistischer 
Nachbildung von Früchten hinzugefügt. Diese Erweiterung ist gerade 
keine glückliche. Soll dieses Genre von Gegenständen überhaupt erträglich 
werden, so muss es mit der Feinheit und Schönheit der Farben geübt 
werden, wie es von Seite der englischen Faience-Fabrikanten geschieht. 
Ueberhaupt können wir uns nicht genug immer aufs Neue darüberwundern, 
dass die englischen Faiencen von Minton und Anderen, die doch so po- 
pulär geworden sind und sich den Weltmarkt erobert haben, wie spurlos 
an unserer Fabrication vorübergehen. Niemand ist, der resolut darauf 
eingehen will, obwohl durch die Kosch'schen Erfindungen eigentlich jede 
Schwierigkeit hinweggeräumt ist. Unser Publicum, das diese Gegenstände 
liebt und kauft, ist noch immer auf die englischen und französischen Ori- 
ginale angewiesen. 
Vorn Gebiete des Porzellans haben wir diesmal nichts Neues zu 
melden. Indessen freut es uns, in den Herender Fabricaten einen alten 
Freund zu begrüssen, und diesmal doppelt in Hinsicht auf die Ungelegen- 
heiten, in welche diese Fabrik gerathen ist. Möge sie bald aus denselben 
mit verjüngter Kraft hervorgehen! Ein paar Porzellangemälde nach Bildern 
im Belvedere von Hans Stadler, eine Venus nach Titian von Zasche 
und eine hübsche Naturstudie von Rempfer, wollen wir wenigstens nicht 
unerwähnt lassen. Was uns Kosch aus seinem chemischen Versuchsatelier 
gebracht hat, ist bereits bei Gelegenheit der Ausstellung der Fachschulen 
besprochen worden. Wir begleiten sie daher nur mit dem Wunsche, dass 
das nächste Mal die schönen und interessanten Arbeiten, die wir jetzt 
auf der Weihnachts-Ausstellung sehen, auf den Weihnachtstisch hinüber- 
wandern möchten. 
Unermüdet wie die Faiencen, aber glänzender und feiner schreitet 
unsere Glasindustrie auf den begonnenen künstlerischen Wegen fort. Nur 
H. Ullrich macht insofern eine Ausnahme, als er in der Hauptmasse 
seiner Erzeugnisse die bisherige moderne Art mit bunten Gläsern, Ma- 
lereien von Blumen und Vögeln, von Bronzemontirung u. s. w. vertritt. 
Dieses Genre mag gut vertreten sein, aber wir lieben dieses Genre nicht. 
Wenn wir die reiche Ausstellung von Lobmeyr, Schreiber 8c Neffen 
und Karl Rankl, welch" letzterer sich als Dritter jenen Beiden zugesellt 
hat, im allgemeinen Eindruck überüiegen, so stellt sich immer sicherer und 
bestimmter heraus, wie das eigentliche Genre des böhmischen Tafelglases 
in ienem weissen Krystallglase von möglichst reinen Formen und gut 
gezeichnetem, geschlilfenem Ornament besteht, für welches die ächten 
Krystallgefässe des 16. und 17. Jahrhunderts die Vorbilder geliefert haben. 
Diese Art hat sich statt der plumpen facettirten Formen, die noch vor 
zehn Jahren im allgemeinen Gebrauche standen, in allen guten Häusern 
so eingebürgert, dass jene nicht daneben mehr bestehen können, wenn 
sie sich nicht selbst so verfeinern, wie wir einige Services in der Collection 
von Lobmeyr selten. Der Weg ist nunmehr bestimmt vorgezeichnet und
	        

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