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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XI (1876 / 124)

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wird hoffentlich nicht so leicht verlassen werden. Die Aufgabe besteht 
dabei nicht in der reichen gravirten Verzierung, welche die Gefässe für 
den Hausgebrauch zu kostbar machen würde, sondern vor Allem in der 
guten, edlen Form. Diese ist für sich schon von Werth und bedarf ge- 
rade in diesem Falle sehr wenig der Hebung durch Ornament. Von dieser 
einfachen Art geben Rankl wie Schreiber verschiedene gelungene Beispiele. 
Lobrneyr dagegen führt uns wiederum in Vasen, Schalen und anderen 
Gefässen vom reinsten Kristallglas verschiedene Beispiele der feinsten Gra- 
virung in den edelsten Zeichnungen vor, sei es rnit Figuren, sei es mit 
Ornament. Diese Gefässe sind vorderhand Luxusgeräthe der besten Art, 
zu kostbar fast, um sie zum Gebrauch in die Hand zu nehmen; aber es 
wird die Zeit kommen, wo man sie sämmtlich als Antiquitäten betrachten 
wird, wo sie von Kunstfreunden und von Sammlern gesucht und von 
Museen als Kunstwerke und mustergiltige Gegenstände in den Samm- 
lungen aufgestellt werden. Dann erst ist die rechte Zeit ihrer Schätzung 
gekommen. Heute leiden sienur an Einem Fehler, der sonst in der ln- 
dustrie als Vorzug gilt, an dem, neu zu sein. - 
Lobmeyr hat sich aber nicht mit diesen Gegenständen von nunmehr 
bekanntem Genre begnügt; wir treffen ihn niemals auf Ausstellungen, ohne 
dass wir Versuche sehen, sein Reich zu erweitern oder alte verfehlte 
Manieren zu verbessern. Von diesem letzteren Gesichtspunkte aus ist eine 
Collection farbiger, transparenter Glasgeräthe in Blau, Roth und Grün zu 
beurtheilen. Viele werden sagen - und wir hören das oft -: vlch mag 
diese farbigen Gläser nicht, das lichte, farblose Krystallglas ist mir lieberß 
Auch gut. Das ist ein individueller Geschmack, gegen den wir gar nichts 
einzuwenden haben. In diesem Falle handelt es sich aber nicht um den 
Geschmack dieses oder jenes Individuums, sondern um einen Handels- 
gegenstand, der existirt und gekauft wird, und um ein Kunstmaterial, 
das sein Recht zur Existenz hat, weil es natürlich ist. Diese gefärbten, 
transparenten Gläser hatten ihren Weltmarkt und haben ihn noch. Aller- 
dings sind sie im Begriüe, ihn zu verlieren, deshalb, weil sie plump" in 
ihren Formen, unschön in der Decoration, roh im Effecte geworden sind, 
zugleich aber der Geschmack des Publicums in Besserung und Verfei- 
nerung begriHen ist. Die Aufgabe für den Fabrikanten stellt sich also 
einfach dahin, die Waare selbst zu verbessern und zu verfeinern, damit 
sie den erhöhten Anforderungen des Geschmacks entspricht. Und dies ist 
es, was Lobmeyr versucht hat. Er will mit der in Rede stehenden Col- 
lection den Weg oder einen der Wege angeben, auf welchen die Erfüllung 
der Aufgabe anzustreben ist. Dazu zeigt sich die erste Bedingung erfüllt, 
indem alle Formen der Vasen, Pocale u. s. w. gut und edel sind. Grelle 
Farbenelfecte sind in der Zusammenstellung vermieden; der Wechsel von 
Hell und Dunkel nur durch die Ausschleifung eines "Ueberfangesw von 
derselben Farbe bewirkt. Wo eine zweite Farbe hinzugefügt worden, ist 
auch sie fein und transparent aufgetragen, so dass sie mit der Grundfarbe
	        

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