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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XI (1876 / 124)

fanbau ihr verfchloffen, denn die Reftaurationen alter Burgen gaben fich meift mit 
v ein paar Buzelfcheiben-Verglafungen zufrieden, welchen im günftigften Falle ein und 
das andere Wappen eingefügt wurde; - das moderne Wohnhaus, der Palaft behält 
das fpiegelglatte Tafelglas, eine körperhafte Negation der Materie, den fortwährenden 
Störefried der Architektur, des Interieurs, des Bewohners felbft; - denn diefe gäh- 
nenden Luft- und Liclitlöcher zerreifzen jede Bindung und Harmonie. 
Und will man denn wirklich überall Fülle des Lichts; will man immer nur nach 
aufzen fehen und leben; verlangt der moderne Menfch nicht ebenfo oft eine milde 
Dämpfung, ein {ich und der Familie Gehören, ein Zurückziehen, {ich Verinnerlichen? 
Mag er {ich bei der Mahlzeit beobachtet, oder beim Erwachen, bei der Raft nach 
des Tages Mühen von neuer Unruhe, - der Unruhe des Lichtes nemlich -- ge- 
troffen fühlen? 
Nein, - er ftimmt feine Umgebung in Farbe und Ton, in Tapete und Stoff 
herunter, er fetzt alles in ein elegifches Moll, - nur das weifze Glas, das nackte 
Fenfter, kann er nicht in diefe Harmonie fügen, er Endet kein Mittel dafür - als 
Gardinen und Portieren, - und doch gibt es deren viel fchönere, echtere, herz- und 
augerfreuende. 
Man hänge Glasmalereimotive, Cabinetsftücke daran, Wappen, Spruchfchilder, 
Rofen, rcligiöfe, Genre-, allegorifclic Bilder und das Zimmer hat feinen richtigen Cha- 
rakter, - die gcgenüberftchende wcifze Faqade blendet nicht mehr, die Wände binden 
Iich, das Meublement hat erhöhten Reiz, es ruht ein magifchmilder Reflex auf diefer 
nicht wieder zu erkennenden Stube, - es wird einem fo feierlich und doch fo freudig 
zu Muthe, denn durch das froh erregte Auge wird auch die Seele geftimmt. 
Es war kein Touriftenlafier oder Tugend, dafz fo viele Fremde, die unfere 
Anfialt befucht, ein Cabinetsftück heimnehmen wollten, die gegen fchwerftes Geld
	        

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