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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XI (1876 / 124)

Ausstellungen unverkauft, um wie viel mehr musste das in Wien der 
Fall sein, als die gefürchtete Krise so früh hereinbrach. Nun gab es 
bittere Enttäuschung, hier und da selbst den Untergang, lediglich in Folge 
der falschen Speculation. 
Abgesehen von dem Missgeschicke, das der Einzelne dadurch erlitt, 
blieb für das Allgemeine der Nachtheil, dass es eine Fülle vorhandener 
Gegenstände gab, die Capital und Arbeit banden, die unverkauft bleiben 
mussten und zugleich als ein stäter Gegenstand des Selbstvorwurfs von 
dem Betreten jeder neuen Bahn abschreckten. Statt die Lehre zu pre- 
digen: dies war der falsche Weg, wir müssen einen anderen gehen, ver- 
anlassten sie nur zum Stillstand auf der alten, aber nicht minder ver- 
kehrten Bahn. 
So zeigte sich die Kunstindustrie der letzten Jahre von dem Eindruck: 
beherrscht - und es war das auch wohl der Charakter der ersten Weih- 
nachts-Ausstellung -: einerseits jene übertriebenen, durch reellen Bedarf 
nicht gerechtfertigten Prachtarbeiten und Parforceleistungen, anderseits 
die herkömmliche, gewöhnliche, gedankenlose Modewaare. Es versteht 
sich von selbst, dass es Ausnahmen gab und gibt, wahrhaft tröstliche, 
herzerfreuende Ausnahmen, die den Beweis lieferten, dass auch unter dem 
Drucke der trüben Zeit das Gute nicht erstorben sei. 
Der richtige Weg, der allein zu einer gesunden, soliden und nach- 
haltig begründeten Entwicklung der Kunstindustrie führen kann, liegt 
oifenbar in der Mitte. Er heisst: nichts schaffen was nicht der Markt 
verlangt oder verlangen kann, aber das, was er verlangt, so schaden, dass 
es in Wahrheit gut und schön ist, dass es dem Käufer eine echte und 
dauernde Freude bereitet. Der Reichthum kostbarer und mühsam her- 
gestellter Verzierungen macht es wahrhaftig nicht aus; ein gut construirter 
Tisch ist nicht theurer wie ein schlechter, ja er mag in der Regel billiger 
herzustellen sein, da der schlechte, weil er zumeist der Natur des Mate- 
riales und der einfachen Technik zuwider, mehr Arbeit, mehr Nebenwerk 
verlangt. Uebrigens sind die Bedürfnisse der menschlichen Gesellschaft 
nach der Verschiedenheit der Stände, nach Rang und Vermögen selbst so 
verschieden, einerseits so einfach, anderseits trotz alledem so anspruchs- 
voll, dass wir nicht nöthig haben, sie übernatürlich in die Höhe zu schrauben. 
Es wird dem Kunstindustriellen in keinerWeise an Aufgaben fehlen, wenn 
er sie überall da sucht, wo das Bedürfniss vorhanden ist. Das bürger- 
liche Haus bedarf in seiner ganzen Decoration und Ausstattung so sehr 
der Besserung, dass es wahrlich genug zu thun gibt, aber die Kunstin- 
dustrie muss sich vor dem Irrthum hüten, als ob dieses Haus ihrer Auf- 
merksamkeit unwürdig sei, als ob Geschmack und Kunst erst im Palaste, 
erst mit Tafelaufsätzen und reichgeschnitzten Möbeln anfingen. 
Und dieser Weg, den wir als den allein gesunden, allein richtigen 
nicht nachdrücklicbst genug empfehlen können -- wir wiederholen es -- 
nur das zu schaffen, was wirklich gekauft werden muss, weil es gebraucht
	        

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