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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XI (1876 / 128)

lieber Punzenarbeiten. 
II. 
Da unsere Vorlagen für Ausführung in getriebener Arbeit bestimmt 
sind, dürften noch einige Worte über diese Technik hier am Platze sein. 
Die Kunst des Treibens sowohl edler als unedler Metalle war schon den 
ältesten Völkern bekannt, wurde das ganze Mittelalter hindurch bei den 
verschiedenen Zweigen der Knnstgewerbe angewendet und in der Renais- 
sance auf die höchste Stufe der Vollendung gebracht. Benvenuto Cellini 
beschreibt in seiner Abhandlung über Goldschmiedekunst und Sculptur") 
das dabei in Anwendung kommende technische Verfahren sehr ausführlich, 
und zwar im 12. Capitel die i-Minuteriearbeitu, im 22. Capitel "wie Ge- 
fässe, auch Figuren aus Gold oder Silber zu treiben sind, auch alles 
Sonstige was zur Grosserie genannten Kunst gehört". Die von ihm geschil- 
derte Art des Treibens ist im Wesentlichen dieselbe wie die im I3. Jahr- 
hundert in Deutschland angewandte und von Theophil beschriebene, 
und wir werden kaum fehlgehen, wenn wir Cellini's Verfahren auch als 
das bei den deutschen Goldschmieden der Renaissance übliche annehmen. 
Wir lassen daher das betreffende (22.) Capitel in der Uebersetzung Brinck- 
rnann's auszugsweise hier folgen. 
Nachdem Cellini den Guss und die Vorbereitung des zu verarbei- 
tenden Silbers, sowohl wie es in Italien Brauch war, als auch wie er sie 
während seines Aufenthaltes in Frankreich in Paris kennen lernte, aus- 
führlich beschrieben und auch praktische Winke für die Auffindung des 
Mittelpunktes der zu treibenden Platte gegeben hat, fährt er folgender- 
massen fort: w-Mit dem Zirkel misst man nun die etwaige Abweichung 
der Platte von der Kreisform, welcher durch weiteres Glühen und Treiben 
mit dem Hammer abgeholfen wird. Dabei achtet man stets darauf, den 
einmal gefundenen Mittelpunkt nicht zu verlieren. Nun erst treibt man 
die Platte zu solcher Grösse aus, dass ihr Durchmesser den des Gefäss- 
körpers um drei Finger überragt, zieht mit dem Zirkel einen Kreis genau 
von der Grösse des Durchmessers und dann stets um eine halbe Finger- 
breite kleiner werdende, concentrische Kreise bis zum Mittelpunkte hin. 
Darauf nimmt man eine Art Hammer, dessen dünnes Ende von der Stärke 
und gerundeten Form einer fleischigen Fingerspitze, das andere noch 
einhalbmal so dick ist, und beginnt mit jenem dünnen Ende die Platte vom 
Mittelpunkt aus, nach Massgabe der gezogenen Kreise in einer Schnecken- 
linie zu schlagen. Dabei schlägt man von Zeit zu Zeit den Mittelpunkt 
mit demselben Punzen wieder ein, glüht die Platte hin und wieder weich 
und fährt fort sie zu behämmern, bis sie sich in Form eines Hutkopfes 
oder Bechers wölbt. Diese Wölbung wird durch die Form des Gefässes 
') Benvenuto Cellini. Abhandlungen über die Goldschmiedekunsl und die Sculptur. 
Uebcrsetzt und verglichen mit den Parallelstellen aus Theophilus diversarurn urtium sche- 
duln von Justus Brinckmann Leipzig, Seemann, x867, 8".
	        

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