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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XI (1876 / 130)

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Die auf die elementare Stufe folgenden Classen entwickeln sich nicht in einer un- 
unterbrochenen Reihe weiter, sondern gliedern sich in drei Gruppen derart, dass der 
Schüler sich immer nur einer dieser Gruppen anzuschliessen braucht, je nachdem in 
seinem gewerblichen Fache die Architektur, die Malerei oder die Plastik vorwiegend zur 
Anwendung kommt. 
Die r. Gruppe besteht aus den Classen 3 und 4. 
Classe 3. Gebundenes Zeichnen und Projecrionslehre 
knüpft an die Grundzüge der beschreibenden Geometrie, wie sie in Classe l gelehrt 
worden sind, an und behandelt, so viel als möglich nach Quartalen gesondert, die gerade 
Parallel-Projection, die Perspective und die Schatten-Construction. 
Classe 4. Architektonisches Zeichnen 
hat die Darstellung der architektonischen Ordnungen der Griechen und Römer zur Haupt- 
nufgabe. 
An die classischen Vorbilder des Alterthutns schliessen sich später die Bogenstel- 
ungen der Renaissance und die Anordnung ganzer Facaden nach Motiven der italienischen 
Palastbauten an. 
Die a. Gruppe, - für solche Schüler bestimmt, welche sich malerischer Darstellung 
zuwenden, - umfasst sechs Classen, deren Reihe von 
Classe 5. Gyps-Zeichnen (Ornamente) 
erülfnet wird. 
Die Schüler werden hier in die malerische Darstellungsweise plastischer Obiecte 
ein eführt, indem sie die Verkürzungen der Formen, sowie die Licht-, Schatten- und 
Re ex-Erscheinungen der Körper an geeigneten Modellen studiren und darstellen lernen. 
Die Studien gehen alle darauf aus, die volle Licht- und Schattenwirkung der Mo- 
delle wiederzugeben, und zwar bedienen sich die Zeichner hierbei vier verschiedener 
Behandlungsweisen: 
i. mit Deckfarben in vier, höchstens fünf Tünen; 
a. mit Aquarellfarben in den Schalten und Deckfarben in den Lichtern; 
3. mit dem Wischer für die Schatten und weisser Kreide für die Lichter; 
4. mit dem Stift (schwarzer Kreide oder Blei) für die Schatten, mit oder ohne 
Weiss in den Lichtern. 
l Clasre 6. Gypx-Zeichnen (jigürliche Heile) 
dehnt dieselben Uebungen, in denselben Bebandlungsweisen, auf einzelne menschliche 
und thierische Kürperthcile aus. 
Das Zeichnen von Köpfen und Büsten gilt dabei als das höchste Ziel der Clusse. 
Die hierdurch vorbereiteten Schüler gehen entweder in 
Classe 7. Figuren-Zeichnen 
zum Studium ganzer menschlicher Figuren nach der Antike und schliesslich nach dem 
lebenden Modell (Act-Zeichnen) oder in 
Classe 8. zum Thier-Zeichnen und Malen 
über. - Hierbei werden hauptsächlich die in den decorativen Künsten zur Verwendung 
kommenden Formen berücksichtigt. 
. 
Clusse 9. Anatomie 
(der Menschen und der für die decorativen Künste wichtigsten Thiere) 
tritt als Ergänzung der Classe 7 und 8 (sowie der weiter unten zu erwahnenden figür- 
lichen Modellir-Classe) hinzu und ist nur für deren Schüler berechnet. 
Mit dem Zeichnen nach Vorlagetafeln, dem Sltelet und Gypsabgüssen ist ein erläu- 
temder Vortrag verbunden, welcher zugleich auf die Grundzüge der Proponionslehre 
eingeht. ' 
Clnsse 10. Blumen-Zeichnen und Malen. 
Die Aufgabe der Classe besteht darin: 
einerseits die decorative Behandlungsweise in der Darstellung natürlicher Pflanzen, wie sie 
die Verwendung für die gewerblichen Künste (Tapeten- und Zeug-Druck, Gelass- 
Malerei u. s. w.) erfordert, zu üben, - 
andererseits die Bildungsgßetze des PHanzen-Organismus durch Vortrag zu erläutern und 
die wichtigsten Stiel-, Blatt-, Blüthen- und Fruchtformen den Schülern einzupragen. 
Die 3. und letzte Gruppe der oberen Vorbereitungs-Classen bilden endlich die 
Modellir-Classen:
	        

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