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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XI (1876 / 130)

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KLEINERE" MITTHEILUNGEN. 
(Graf Johann Waldstein-Wartenberg) ist am 3. Juni d. J. im 
67. Lebensjahre gestorben. Das Museum verliert in ihm ein hervorra- 
gendes Mitglied des Curatoriums, einen unablässlichen Förderer der Kunst 
und Kunstindustrie. Ihm verdankt das Museum speciell den Abguss der 
Bronzestatue Don Juan d'Austria's, die sich in Messina befindet. In der 
letzten Zeit hat derselbe einen Preis zur Herstellung einer billigen kera- 
mischen Wanddecoration an Häusern gestiftet. Vielseitig gebildet - er 
war Dr. der Philosophie und der Rechte - hat er auch praktisch die 
Malerei geübt und seiner Zeit einen hervorragenden Antheil an der Grün- 
dung des österreichischen Kunstvereines genommen. Herr Joh. Ziegler 
gibt in der wDeutschen Ztgß einige interessante Mittheilungen über den 
kunstsinnigen Grafen. "Graf Johann Waldsteinc - so heisst es daselbst 
_ "war der Sohn von Emanuel Graf Waldstein, dem Sohne der 
Elisabetha, gebornen Gräfin Ulfeldt, welche nebst ihrer Schwester 
Wilhelmine, nachmals verehlicht an den Grafen Thun, die einzigen 
Kinder des von Maria Theresia so hoch geschätzten Reichskanzlers und 
ersten Obersthofmeisters Corfitz Grafen Ulfeldt und seiner Gemalin, 
gebornen Fürstin von Lobkowitz, waren. Dieser sein Urgrossvater war 
der directe Enkel von Leonore Christine Gräfin von Schleswig- 
Holstein, der Tochter Ch ristian's des Vierten von Dänemark und ihres 
Gemals Corfitz Ulfeldt, Reichshofmeisters von Dänemark. 
Von der edlen Leonora Christine besass Graf Waldstein eine Menge 
Reliquien und Kostbarkeiten. Vor Allem aber fand er einst im Archiv 
seines Schlosses Palota in Ungarn von ihrer Hand ein altes, vergilbtes 
Manuscript in dänischer Sprache, Aufzeichnungen Leonora Christinen's 
enthaltend, die sie während ihrer Gefangenschaft im Blauen Thurm des 
alten Kopenhagener Königsschlosses zum Theil - da ihr während der 
ersten Jahre ihrer Haft Tinte und Feder, sowie alles Andere, womit sie 
sich hätte die Zeit vertreiben können, versagt war - mit einer Tusche 
geschrieben, welche sie sich aus Bier und Kerzenruss, und mit einer Feder, 
die sie aus dem Knochen eines Huhnes bereitet hatte. Auf einer Reise 
nach Kopenhagen nahm Herr v. Falbe, der dänische Gesandte am 
Wiener Hofe, das Manuscript mit, um dort dessen Echtheit untersuchen 
zu lassen. Diese zu constatiren, bot keine Schwierigkeit, und so erschien, 
von dem Bibliothekar der Universität in Kopenhagen, Sophus Birket 
Smith, herausgegeben, die Schrift in der Original-Sprache und ein Jahr 
später eine deutsche Ausgabe zu Wien im Verlage von C. Gerold": Sohn. 
Beide Ausgaben sind mit einer vortreElich geschriebenen Vorrede des 
Grafen versehen. Das Manuscript befindet sich gegenwärtig im Besitz der 
Prinzessin von Wales, Tochter Christian's des Neunten von Dänemarknt 
(Ernennungen) Se. Majestät hat den bisherigen Custos am k. k. 
Oesterr. Museum für Kunst und Industrie, Franz Schestag, mit Allerh. 
Entschliessung vom I3. Mai d. J. zum Custos der mit der kaiserlichen 
Gemäldegalerie vereinigten Kupferstichsammlung und der mit dieser ver- 
bundenen Handbibliothek der kunsthistorischen Sammlungen des Allerh. 
Kaiserhauses; - der Minister für Cultus und Unterricht den Official der 
erzherzogl. Bibliothek und Kupferstichsammlung Herrn Ed. Chmelarz 
zum Custos im k. k. Oesterr. Museum ernannt. Derselbe übernimmt die 
Bibliothek und Kupferstichsammlung des Museums. 
(Programm der Donnerstag-Vorlesungen im Museum.) Vor- 
läufig sind für das nächste Wintersemester folgende Vorlesungen in Aus-
	        

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