MAK

Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XI (1876 / 130)

121 
aus den verschiedenartigsten Kunstgegenstanden aus früheren Jahrhunderten; rechts von 
diesem Thor ist die Büste des Deutschen Kaisers und links die des Kaisers von Oester- 
reich angebracht. Fahnen in den Farben aller deutschen Länder und Städte bekunden, 
dass alle deutschen Stamme sich in den Leistungen auf dem Gebiete der Kunst und der 
Kunstgewerbe zu ubertreifen suchen und ihr Bestes geschickt haben. Der Rundgang 
nahm über zwei Stunden in Anspruch, so dass die Feier erst utn halb 3 Uhr Nachmittags 
beendigt war. Dem allgemeinen Besuch ist die Ausstellung von morgen Nachmittags 
2 Uhr an gebifnet. 
München, 14. Juni. Die Ansprache, welche der Präsident v. Miller heute bei 
ErtSEnung der Kunst-In d ustrie-Ausstellung hielt, hat folgenden Wortlaut: wAls 
uns die freudige Kunde geworden, S. M. der König habe das Protectorat für unsere Aus- 
stellung zu übernehmen geruht, war sie von folgenden Worten begleitet: vvon dem edlen 
Wettstreite, welcher durch solche Ausstellungen machtig angeregt wird, erwarten Se. 
Majestät mit Zuversicht den besten _Erfolg für die erhebende Fliege der Kunst.n Diese 
Zuversicht unseres Königs und der Glaube, dass das deutsche Volk und seine erhabenen 
Fürsten eine grosse Idee jederzeit mit Begeisterung begrüsst, gaben uns den Muth ein 
solches kühnes Unternehmen zu wagen. Die grossen Weltausstellungen, diese friedlichen 
Kampfe der Neuzeit, brachten den Deutschen zwar manchen Erfolg; deutscher Fleiss, 
deutsche Geschicklichkeit ward uns noch nirgends abgesprochen, allein gar oft fehlte 
unseren Werken die Weihe der Schönheit, welche die Kunst dem Fleisse zu geben ver- 
mag - im Laufe der Zeiten war sie entfremdet worden, die Kunst, der lärmenden 
Werkstatt; sie zog sich zurück in ihre stillen Raume oder schwelgte in höheren Sphären. 
Unsere Zeiten kannten keine solche Trennung zwischen Kunst und Handwerk, das be- 
weisen hier ihre wunderbaren Werke, an denen wir lernen wollen, an denen wir uns 
erbauen wollen. Diesen Zustand zu bekämpfen, Künstler und Handwerker wieder ein- 
ander naher zu bringen, besseres Verständniss versuchsweise anzubahnen, das Handwerk 
durch die Kunst zu veredeln, Sinn für das Schone allenthalben zu erwecken und zu ver- 
breiten, das waren seit 25 Jahren die angestrebten Ziele des Münchener Kunstgewerbe- 
Vereins, dessen schönsten Jubeltag wir heute feiern. Es war ein schwerer Anfang für 
einen Verein, der mit so wenig Mitteln ausgesattet ist, eine so gewaltige Au sstellung zu 
unternehmen; welche Garantie konnten wir unsern Ausstellern bieten, falls wir Unglück 
hätten? Da half die Hochherzigkeit unserer Mitbürger, d_ie sich mit grossen Garantie- 
Summen schützend uns zur Seite stellten - nicht zögerte auch die bayerische Kammer, 
die Garantien zu genehmigen, welche unsere Staatsregierung für uns erbeten, und gnädig 
unterstützte uns unser erhabener Protector das Beginnen "zu erleichtern. So ausgerüstet 
richteten wir unsere Bitte, beizutragen zur Ehre der deutschen Nation, an alle deutschen 
Völkerstamme, so weit die deutsche Zunge reicht, klang unser Ruf, und fand Gehör 
allüberall. Kaiser und Könige - Fürsten, Kirchen und Gemeinden Oßheten ihre Museen, 
Private vertrauten uns] ihre Schätze an, und gar mancher Hausvater _trennte sich vom 
liebsten Familien-Kleinod. Auch selbst über das Meer sandte uns l. M. die Königin 
Victoria von England die deutschen Arbeiten aus dem Kensington-Museum - Dank, 
innigen Dank allen mit tiefster Seele! Gilt es ja dem Ruhme der Vater. So sehen wir 
hier nun die kostbarsten Schätze des Alterthums in solcher Fülle vereint, wie sie noch so 
vereint kein Auge früher gesehen, und der Gedanke ist gewiss erhebend: es sind lauter 
Werke unserer Vater. Bald regte sich's nun in allen Werkstätten und Ateliers, die 
Jugend sandte die Erfolge ihrer Studien aus den Kunstschulen, die Architekten, diese 
natürlichen Vermittler zwischen Kunst und Handwerk, ihre Pläne, ein reiches Bild dessen, 
was deutscher Fleiss und deutsches Handwerk vermag, wenn es von Künstlern geführt, 
liegt vor unseren Augen, ein Anfang nur ist es, ein erster Versuch, dennoch laden wir 
ein alle Völker der Erde zu schauen, dass auch in diesem Falle wir ebenbürtig sind der 
Nachbarvölker. Königliche Hoheit! Seine Majestät der König hat Eure königliche Hoheit 
mit der Erolfnung dieser deutschen Kunst- und Kunstindustrie-Ausstellung zu betrauen 
geruht - wir bitten diesen feierlichen Act nunmehr gnadigst vornehmen zu wollen - 
moge Gott in dieser Zeit uns schützen und schirmen! Möge dieses Unternehmen Segen 
bringen all unsern deutschen Brüdern! Das ist unsere Hoffnung, das wird für uns der 
reichstf Lohn sein. Vereint gedeihe Kunst und Gewerbe für und für in allen deutschen 
Gauen." 
Memorandum der Wiener Bildhauer. 
Die Wiener Journale veröifentlichen den Wortlaut eines Memoran- 
dums der Wiener Bildhauer, welches durch eine Deputation den Mini- 
stern Dr. Stremayer, Dr. Freih. v. Lasser, dem Obersthofmeister und
	        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzerin, sehr geehrter Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.