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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XI (1876 / 131)

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richtet worden sind, betreiben die Kunsttischlerei, wie die Schule in Gruv 
lich, in Walachisch-Meseritsch und in Wallern. In Sachsen haben die 
Lehrwerkstätten für Spitzenindustrie sich als praktisch bewährt. 
Ein Zweig von Schulen hat bisher eine geringe Ausdehnung gewon- 
nen, das sind die Fabriksschulen, d. h. jene Schulen, welche sich an 
einzelnen Privatfabriken behnden, und die der Ausbildung der Arbeits- 
kräfte in den Fabriken gewidmet sind. Mehrere von den bereits beste- 
henden Schulen stehen mit einzelnen Fabriken bereits in directer Verbin- 
dung, wie es z. B. bei den Schulen in Königsberg und Teplitz der Fall 
ist. Aber es dürfte doch sich vielleicht als räthlich herausstellen, die 
Frage zu ventiliren, ob und wie weit es angemessen sei, einzelne Fabriks- 
schulen zu dem Zwecke zu subventioniren, um auf diese Weise ein be- 
stimmtes Kunstgewerbe zu heben. 
Juli 1876. R. v. E. 
Der Neubau der k. k. Akademie der bildenden Künste in Wien. 
Von Architekt Theophil Ritter v. Hansen. ' 
Bekanntlich ist die Ansicht oft ausgesprochen worden, dass Kunst- 
akademien für die Kunst selbst nur wenig Nutzen bringen, dass sie daher 
eigentlich unnöthig seien. Die dies behaupten, stützen ihre Ansicht darauf, 
dass die Kunst seit der Errichtung der Akademien weniger grosse Talente 
hervorgebracht habe, als vordem. Ich für meinen Theil behaupte in- 
dessen, dass doch zuerst bewiesen werden sollte, ob wirklich die Kunst- 
akademien daran die Schuld tragen. 
Dass die alten Griechen die Kunst auf die höchste Stufe gebracht 
haben, ist bekannt, ebenso, dass die Römer, statt vorwärts zu schreiten, 
zurück gegangen sind. 
Wie die Griechen ihre Kunst lehrten, wissen wir nicht. Wir wissen 
nur, dass im alten Griechenland drei Städte waren, die wie Schulen als 
Mittelpunkte der Kunstbildung galten: Aegina, Korinth und Sikyon, zu 
denen später Ephesos und Athen hinzukamen; ob aber dort ein organi- 
sirter Gesammtunterricht stattfand, wie heutzutage, oder ob es blos, wie 
wahrscheinlicher, ein beständiges Fortvererben der künstlerischen Kennt- 
nisse vom Meister auf einige Lehrlinge, eine Art Meisterschule war, ist 
uns nicht bekannt. Ebenso wenig kennen wir die Lehrmethode der Römer. 
Wir wissen nur, dass nach Beseitigung des Heidenthums und mit ihm 
der erhabenen heidnischen Kunst, nach Einführung des Christenthums, 
die Kunst bis zum 15. Jahrhundert nur auf schwachen Füssen stand. 
Zu dieser Zeit war es, dass Italien eine Menge grosser Genie"s in 
der Kunst hervorbrachte. Ich nenne nur Namen wie Michel Angele und 
Raphael, deren Werke nicht nur nicht übertroffen, sondern nicht einmal 
erreicht worden sind.
	        

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