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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XI (1876 / 132)

I. 83.) Für Pier Salviati malte er ebenfalls rings um ein Zimmer Bildchen 
aus dem Gefolge des Bacchus, unter denen ein Silen auf seinem Esel, von 
Kindern umgeben, durch Frische und Fröhlichkeit sich auszeichnete. (III. 
t. 85.) Endlich gedenke ich noch einer allegorischen Darstellung, welche 
der Veroneser Giovan Francesco Caroto am Kopfbrett eines Ruhebettes 
für eine Villa unfern seiner Vaterstadt ausgeführt hatte. Es war ein Jüng- 
ling am Scheideweg zwischen Minerva und dem Ruhm einerseits, Müssig- 
gang und Wohllust andererseits. (Fra Giocondo, lll. 2. 209.) Diese Allegorie 
ist dem Sophisten Prodikos entlehnt und zeigt uns wieder, wie in dieser 
Möbelmalerei die antiken Studien durchschlugen. 
Neben der Bemalung eigentlicher Möbel war in reichen Familien auch 
die Sitte aufgekommen, die Wände der Schlafzimmer und Studirstuben 
mit Gemälden auf Einsatztafeln zu verzieren. Solche Räume wurden näm- 
lich, der Wärme und des Behagens wegen, mit geschnitztem Holz getä- 
felt, dem man seine Naturfarbe liess. Um aber den' dunkeln Ton des 
Materials zu beleben, sparte man Rähmchen aus und setzte in diese Rähm- 
chen friesförrnige bemalte Tafeln ein. 
Von einem dieser Schlafzimmer in einem angesehenen Florentiner 
Bürgerhaus gibt uns Vasari, der es noch in seiner ganzen Anordnung er- 
halten sah, einen ziemlich klaren Begriff Es war Hochzeitskammer und 
eheliches Schlafgemach der Borgherini in deren Haus im Borgo Sti. Apo- 
stoli. Salvi, das Haupt der Familie, hatte dasselbe bei der Heirat seines 
Sohnes mit Margherita Acciajuoli ausschmücken lassen. Dies fällt bereits 
in's erste Jahrzehnt des 16. Jahrhunderts. Ruhebänke, Kasten, Stühle und 
Bettstatt hatte Baccio d'Agnolo aus reich geschnitztem Nussbaumholz sehr 
schön gearbeitet; dem sollte nun die Trelflichkeit der Gemälde entspre- 
chen. Neben dem grossen Andrea del Sarto wurden noch drei namhafte 
Meister gewonnen. Sämmtliche Bilder waren in Oel, die Figuren klein, 
wie es für eine Decoration passt, die sich nicht aufdrängen soll. Das Ganze 
gab eine cyclische Darstellung der Geschichte des Joseph von Aegypten. 
DasyVorbildliche für eine Hochzeitskammer sieht man sogleich: Der frem- 
den Frau hatte Joseph widerstanden, die Priestertochter aus der höchsten 
Kaste des fremden Landes wurde ihm dafür zum Lohne. Das Kopfhrett 
des Ruhehettes im Zimmer malte Granacci (III. 2.. 264): Joseph den Pharao 
bedienend in einem perspectivischen Gebäude. Auf zwei Kasten im Zimmer 
malte Puntormo wie Joseph in's Gefängniss geführt wird und wie er seinen 
Vater dem Pharao vorstellt; dazu in dem Winkel neben der Thüre ein 
ziemlich grosses Bild, wo er seinen Vater und alle seine Brüder liebevoll 
aufnimmt. (IV. 241.) Letztere Arbeit galt in italienischen Künstlerkreisen 
für das beste Bildgdas Puntormo jemals geliefert. Andere Kasten, wie 
auch einige der Einsatztafeln übernahm Bacchiacca; man konnte seinen 
Styl von dem der anderen unterscheiden. (Bastiano von Sangallo, III. 385.) 
Zwei Einsatztafeln endlich lielen dem Sarto zu. (III. l. 412.) Diese waren 
so fest in das I-Iolzgetäfel eingefügt, dass es schwer schien sie ohne Ver- 
letzung herauszubrechen.
	        

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