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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XI (1876 / 132)

Dies geschah, indem ich dieselbe Axentheilung in dem ganzen Bau 
durchführte und im l. und II. Stock Pilasterstellungen in jonischer und 
korinthischer Ordnung anbrachte, wodurch ich in die Lage kam, jedes 
zweite Pilaster-lntervall nach Belieben zu schliessen. Damit wäre aber 
doch nicht Alles gethan, sondern es musste wieder darauf gedacht wer- 
den, wie eine solche über jedem zweiten Fenster im Mezzanin vermauerte 
Bogenöffnung auf eine passende Weise zu schmücken sei, statt in den 
Fehler zu verfallen, falsche Fenster zu machen. Zu diesem Zwecke stellte 
ich in jede solche Bogenstellung zwischen den grossen Fenstern Nischen, 
um darin Statuen aufzustellen und schlug vor, durch die Schüler der 
Bildhauerschulen und unter Leitung ihrer Professoren Copien nach den 
besten antiken Statuen in der Grösse, wie ich sie brauchte, machen zu 
lassen, wodurch ein für sie nicht nur höchst lehrreiches, sondern auch 
pecuniär vortheilhaftes Studium erzielt wurde. Diese Modelle wurden 
der Thonwaarenfabrik in Inzersdorf unter der Bedingung geschenkt, dass 
dieselbe die Verpflichtung übernahm, von jedem Modell ein Exemplar in 
Terracotta um einen geringen Preis für den Bau zu liefern. 
Auf diese Weise wurde auch etwas für den guten Geschmack im 
Allgemeinen gethan, indem die genannte Fabrik Eigenthümerin von 24 
Stück Formen von antiken Statuen ward und dadurch in die Lage kommt, 
in7'der'_Folge solche unter dem Publicum um billige Preise zu verbreiten. 
Auf diese Weise ist nicht nur in der Facade gegen den Schillerplatz 
die Ruhe hergestellt, sondern es ist auch zur gleichen Zeit ein praktischer 
Zweck erreicht. 
Gegen die Lastenstrasse wurde die Sache noch schwieriger, da für 
die Bildergalerie im ersten Stock sämmtliche Fenster oEen bleiben, wäh- 
rend in dem darüberliegenden Stock 14 Fenster vermauert werden mussten. 
Wäre es umgekehrt gewesen, so hätte das erwähnte Princip mit den 
Nischen auch hier zur Anwendung kommen können. So ging es aber 
nichtgweshalb etwas Anderes erdacht werden musste. Ich habe hier statt 
Nischen Frescobilder zur Anwendung gebracht, und zwar so, als wären 
' es Oeffnungen, die mit Vorhängen versehen sind. Auf diese Weise wurde 
es mir möglich, auch für Maler-Specialschüler eine Beschäftigung zu ge- 
winnen, indem Herr Professor Eisenmenger es übernahm, mit seinen 
Schülern diese Bilder zu malen. 
Die Ausführung des Gebäudes betretfend, habe ich mich bestrebt, 
init den gegebenen Mitteln die grösstmögliche Solidität zu erzielen. Dem- 
zufolge ist der ganze Sockel, welcher gegen die Lastenstrasse 15 Fuss 
hoch ist, sind alle Gesimse, Fenstereinfassungen, das ganze Portal, ebenso 
wie die Säulen im Vestibule und im Gypsmuseum von Stein ausgeführt. 
Sämmtliche Decorationen im Aeussern sind von Terracotta, so dass nur 
das ebenerdige Geschoss und das Mezzanin mit Mörtel verputzt ist. 
Die Gesammtkosten des Baues, die ganze innere Einrichtung einbe- 
rechnet, belaufen sich auf H. t,35o.o0o.
	        

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