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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XI (1876 / 132)

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stellen, die man zur Zeit des Herzogs mit so viel Einsicht, Erfindung und 
bewundernswerther Kunst veranstaltet hatte. Doch nicht nur im Palast und 
im alten Hause der Medici, sondern in allen grösseren Gebäuden der Stadt 
sieht man Ueberreste davon; ja es gibt viele, welche an diesem in Wahr- 
heit kostbaren und edlen Brauche festhalten und jene Dinge nicht haben 
wegnehmen lassen, um sie mit neueren zu vertauschen. Dello, von wel- 
chem oben schon gesagt ist, dass er ein sehr geübter und guter Maler 
war, der kleine Figuren besonders anmuthig darzustellen wusste, beschäf- 
tigte sich viele Jahre einzig und allein damit, Kasten, Lehnstühle, Ruhe- 
betten und andere Verzierungen in der obengenannten Manier zu bemalen. 
Dies erwarb ihm viel Ehre und Nutzen und man kann wohl sagen, es 
war sein hauptsächlichstereund eigenthümlichster Beruf. Weil indess kein 
Ding auf dieser Welt Bestand hat, mag es noch so gut und lobenswerth 
sein, so war auch dieser frühere Brauch gesteigert und höher getrieben; 
man kam in Kurzem dazu, reichere Ausschmückungen" anzubringen, man 
lässt Nussbaumschnitzwerk vergolden, welches sich sehr prächtig ausnimmt, 
{und lässt auf ähnlichen Hausrath herrliche Bilder in Oel malen, wodurch 
ebensowohl der Reichthum der Bürger, als die Vortrelflichkeit der Künstler 
otfenbar wird. Doch wir wollen auf die Werke Dello's zurückkommen, 
_welcher der erste war, der mit Fleiss solcherlei Arbeiten vollführte; vor! 
nehmlich bemalte er für Giovanni von Medici sämmtliche Geräthschaften 
einer Stube, welches für eine seltene und in dieser Art sehr schöne Arbeit 
galt, wie noch jetzt einige Ueberreste davon bezeugen. - Und weil es 
wohlgethan ist, von solchen alten Dingen ein Gedächtniss zu erhalten, 
habe ich im Palast des Herzogs Cosimo Einiges aufbewahren lassen, was 
Dello mit eigener Hand gearbeitet hat und was immerdar beachtenswerth 
sein wird, mindestens wegen der Mannigfaltigkeit der Kleidung jener Zeit, 
von Männern sowohl als Frauen. 
Ich habe diese ganze Stelle des Vasari mittheilen wollen (Dello II. 
r. 53-55 der deutschen Uebers.), weil sie uns sofort eine Uebersicht über 
das ganze Gebiet dieser Möbelmalerei gibt. 
Das Zeitalter des Dello wird durch seine Lebensumstände bestimmt. 
Er arbeitete für Giovanni von Medici (1400-4437) und ging dann nach 
Spanien in den Dienst König Alfons V. von Arragonien, der von 1416-58 
regiert hat. Paolo Uccello war sein Zeitgenosse und malte sein Portrait 
unter den Söhnen Noah im Kreuzgang von St. Maria Novella. Urkundlich 
steht jetzt fest, dass er gegen 1404 geboren war'). 
Von Dello's eigener Hand ist vielleicht kein Pinselstrich mehr übrig. 
In den Utlizi zu Florenz werden ihm zwei kleine I-Ieiligenbildchen zuge- 
schrieben, die ich übersehen habe. Zu Turin in der königl. Galerie (Nr. 95) 
ist unter seinem Namen eine zwölfeckige Holztafel, die etwa als Präsentir- 
teller gedient hat. Sie stellt Am0r's Triumphzug dar, in der Art, wie man 
') Crowe u. Cavalcaselle, Gesch. der iml. Malerei, übers. von Jordan, lll. 3x u. f.
	        

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