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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XV (1880 / 172)

der sich mit mehr Consequenz durchführen lasse, und dem Begriff einer 
Industrie-Ausstellung besser entspreche als die für die Jury angenommene 
Classification : rohe Materialien, Maschinen, Manufactur und schöne Künsten; 
sein Plan sollte vfür jeden Gegenstand ein Fach enthalten und haupt- 
sächlich das innere Band und die Verwandtschaft der Gegenstände der 
Idee nach mehr herausstellen und damit zugleich zu nützlichen Ver- 
gleichuTgen "die Hand bieten. Der Plan war ein architektonischer, basirt 
auf derrElementen der häuslichen Niederlassung: Herd, Wand, Terrasse, 
Dach. Einivierter Hauptabschnitt sollte ein Zusammenwirken dieser vier 
Elemente, die hohe Kunst, und im symbolischen Sinne die hohe Wissen- 
schaft umfassen. Er sollte die Ableitungen der Gegenstände und Formen 
aus" ihren Urmotiven, und die Veränderungen ihres Stils nach den be- 
dingenden Umständen von selbst hervortreten lassenu. Der meditirte kri- 
tische Feldzug unterblieb, fährt Semper fort - damals, setzen wir hinzu. 
Denn wie ein solcher Plan nicht sozusagen ä la minute entstehen konnte, 
sondern als P-roduet vieljähriger Gedankenarbeit nur gezeitigt wurde durch 
den besonderen Anlass, so ging er auch nicht verloren, wie die Kenner 
der Schriften Sempers wissen, und wie uns in dem Folgenden mehrfach 
wird in Erinnerung gebracht werden. 
Zunächst: wollte eine glückliche Fügung, dass der ausgezeichnete 
Fürst, durchwelcihen jene erste allgemeine Industrie-Ausstellung ins Leben 
gerufen worden war, und der die Lehren derselben für sein Adoptiv- 
vaterland ausgenützt wissen wollte, dass Prinz Albert unseren Sernper 
z'u Vorschlägen aufforderte über die Organisation eines verbesserten Unter- 
richtes für angehende Techniker mit besonderer Rücksicht auf Geschmacks- 
bildung. Eine Frucht dieser Aufforderung ist in weiteren Kreisen 
bekannt, die unmittelbar nach dem Schluss der Ausstellung verfasste Schrift: 
vWissenschaft, Industrie und Kunstu. Eine zweite, in englischer Sprache 
abgefasste Arbeit existirt nur als Manuscript und ist von dem Verfasser 
dem Oesterr. Museum zum Geschenk gemacht worden. Beide ergänzen 
einander und bilden das Programm jener Reformbewegung, welche, von 
England ausgehend, auf dem Continent zuerst von Oesterreich auf- 
genommen, sich xnach und nach über die ganze civilisirte Welt verbreitet 
hat. Jene gedruckte Denkschrift ist wLondon den 1x. October 185111 
datirt, welchen Tag wir mithin den Geburtstag der Reform der gewerb- 
lichen Kunst nennen dürfen. Die Lehrsätze, welche Semper damals auf- 
stellte, sind seitdem, wie gesagt, unzähligemal wiederholt und weiter aus- 
gebildet worden; vor ihm aber hatte kaum Jemand sich die Mühe ge- 
nommen, über dergleichen Dinge ernstlich nachzudenken. Und es ist 
deshalb vun nicht geringem Interesse, sich zu vergegenwärtigen, in welcher 
Weise der ursprüngliche Plan entworfen, mit welcher Sicherheit schon 
damals dessen Linien gezogen wurden, und was aus Sempers damaligen 
Entwürfen sich weiter entwickelt hat durch seine und durch die Arbeit 
Anderer.
	        

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