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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XVII (1882 / 202)

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und Frankfurt thatsächlich dem wahren Verdienst gewidmet sind. Guten- 
berg allein gebührt die Ehre, er allein hat die Erfindung gemacht, die 
Schätze des Wissens, welche bishin nur wenigen Bevorzugten zugänglich 
waren, der ganzen Menschheit zu erschließen, auch jenen, welche bisher 
verurtheilt gewesen zu geistiger Armuth! 
Die keramische Abtheilung im Oesterr. Museum. 
Von J. Folnesics. 
(Fortsetzung) 
Sehr verwandt mit den Bestrebungen, chinesisches Porzellan nacha 
zuahmen, sind jene, die Erzeugnisse der inzwischen berühmt gewordenen 
französischen Fabriken von Marseille, Nevers und Moustiers zu irnitiren. 
Hier dient das chinesische Muster gleichsam in französischer Uebersetzung 
zum Vorbilde. Die Erzeugnisse von Moustiers wurden besonders in Tre- 
viso gut nachgeahmt, und das Museum besitzt eine Vase (Schr. 3x, Nr. 4.6), 
welche bisher als venetianisch galt, die wir aber wahrscheinlich als Arbeit 
von Treviso um r7oo ansehen dürfen. Sie hat eine barocke Form und ist 
mit Festons in blassen Farben bemalt 1'). 
An einem anderen Orte Venetiens, in Candiana, in der Nähe von 
Padua, wurde das persische Genre irnitirt, und zwar jene rhodischapersisch 
genannten Majoliken, deren Bemalung in einem ganz eigenthümlich styli- 
sirten Pflanzen-Ornament besteht m). Die Imitationen, beachten mehr die 
Zeichnung als Farbe und Glasur ihrer Originale, die ihnen darin weitaus 
überlegen sind. Im Schr. 33 linden wir eine große Schüssel und eine kleine 
Schale (Nr. 29 und 30) dieser Art. Die Schüssel ist mit einem Stern, der 
Jahreszahl t629 und den Buchstaben J. G. in Blau bezeichnet. 
In Venedig selbst wurde eine Gattung von Fayencen verfertigt, 
die sich durch dünne, klangvolle und überaus leichte Masse auszeichnet. 
Schüsseln, Schalen und Teller solcher Art sind nicht allzu selten; sie sehen 
aus, als wären sie ein Abklatsch der gleichzeitig in Kupfer getriebenen 
Relief-Arbeiten. Die etwas verschwommenen Formen des Reliefs sind durch 
Bemalung entweder in einer oder in mehreren Farben deutlicher gemacht. 
Der Grund ist blassblau oder trübweiß. Gute Beispiele solcher Arbeiten 
sehen wir in Schr. 3x, Nr. 41-44. Vier Schalen mit Blumen-Ornamenten 
auf dem Rande. In der Mitte zeigt Nr. 4.1 eine Dame auf dern Throne, 
welcher gehuldigt wird (VenetiaF), auf der Rückseite eine bisher unbekannte 
Marke, Nr. 4.2 eine bacchantische Scene, Nr. 43 und 44 sowie die daneben 
befindliche unnumerirte Schüssel Landschaften. 
") Vergl. Ris-Paquot pl. 113, 114, 1x5. 
") Vergl. die echten persisch-rhodischen Arbeiten in Schr. g. 
 
Fortuqung auf der Beilage.
	        

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