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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XVII (1882 / 198)

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Kustroma, Niänei Novgorod und Kasan. Von da aus breitet sich die Haus- 
industrie intensiv nach Osten aus und wird stetig schwächer gegen Süden 
und Westen. 
Ueber die Ausbreitung der Hausindustrie auf böhmischem und pol- 
nischem Gebiete fehlen uns zuverlässige Angaben, doch kann es als fest- 
stehend angenommen werden, dass die Hausindustrie dort, wo sie, wie 
stellenweise in Galizien, nach Art der Großindustrie organisirt wurde, 
ihrem Verfall entgegengeht. 
In Ungarn blüht die Hausindustrie in den slavischen Comitaten in 
reicher Fülle. 
In Croatien und Slavonien'ist sie am meisten in jenen Gegenden 
ausgebreitet, die am längsten mit dem Orient in Berührung waren; wo 
das abendländische Element an sie herantritt, weicht sie zurück. _ 
In Dalmatien ist die Industrie schon zu einer städtischen geworden, 
und lebt dieselbe von altvenetianischen Traditionen, während in Bosnien, 
der I-Ierzegovina, Montenegro und Serbien die Zustände denen des übrigen 
Orientes gleichen. 
Die Hausindustrie basirt sowohl in Russland als auch in Croatien 
und Slavonien auf der slavischen Institution der Hauscommunionen, ja 
sie ist durch diese Art der Familienorganisation so sehr bedingt, dass sie 
mit der Auflösung derselben rasch verfällt. 
Die russische Hauscommunion ist eine andere, als die croatische 
und serbische. Dort ist es eine Gemeindecommunion, hier nur eine Gemein- 
schaft des Familienbesitzes. In Russland ist der Vorstand der Hauscom- 
munion zugleich Meister, die Mitglieder der Familie arbeiten ohne Lohn 
zu Nutzen des gemeinsamen Haushaltes und der Gemeinde; bei den 
Croaten und Serben arbeiten alle Familienmitglieder nur bei der Feld- 
arbeit für den gemeinsamen Besitz, die Erzeugnisse der Hausindustrie 
sind Privateigenthum des Erzeugers. 
In dem Einen stimmt die russische und croatische nationale Industrie 
überein, dass es eine echte, wahre Hausindustrie ist. Die Bauern und 
Bäuerinnen beschäftigen sich nämlich nur dann damit, wenn die Feld- 
arbeit ruht, die Arbeitszeit ist also eine beschränkte. Der Unterschied 
liegt darin, dass in Russland die Hausindustrie ein bedeutendes Erwerbs- 
mittel für das Volk ist, während bei den Croaten und Serben nur das 
erzeugt wird, was für den Hausgebrauch nöthig ist. 
In Russland wird Leinwand aller Art von den Bauern auf die 
Märkte nach Moskau und St. Petersburg geliefert, das Gouvernement 
Wjatka verdient allein eine Million Rubel durch Lieferungen für die 
Armee, ein einziges Dorf, Velikoje, im Gouvernement Jaroslav, das nur 
1750 Einwohner zählt, setzt jährlich 100.000 Rubel um. In Croatien 
bringen die Bäuerinnen aus der Umgebung Agrams stark mit Baumwolle 
durchsetzte Leinwand auf den Markt, während die bessere und schönere 
slavonische Leinwand gar nicht im Handel vorkommt.
	        

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