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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XVII (1882 / 198)

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Industrie statt. Die Feier, welcher auch Se. Excellenz der Herr Unterrichtsminister Frei- 
herr von Conrad-Eybesfeld beiwohnte, wurde vom Reichsraths-Abgeordneten Herrn 
Dr. Weitlof als Präsidenten der Gewerbeschul-Commission mit einer Ansprache eröffnet, 
welche mit einem begeistert aufgenommenen Hoch auf Se. Majestät den Kaiser schloss. 
Hierauf hielten noch der Obmann des Directions-Comite Herr Harpke und Vicebürger- 
meister Dr. Prix längere Reden, welche die Bedeutung der neu errichteten Lehranstalt 
erörterten, worauf dann die anwesenden Gäste sämmtliche Räume des Instituts in Augen- 
schein nahmen. Wir werden im nächsten Hefte auf die Gründungsgeschichte der Anstalt 
und die ausgegebene Festschrift ausführlicher zurückkommen. 
(Die Spltzenaehnle in Gossengrün.) Bekanntlich wurde über Anregung und 
unter Theilnahme des Herrn Richard Ritter v. Dotzauer als Präsidenten des Central- 
Comites zur Beförderung der Erwerbsthätigkeit im bohmischen Erz- und Riesengebirge 
im vorigen Jahre in Gossengrün eine Spilzenschule (bereits die dritte) gegründet, in 
welcher die neue, eigenartige österreichische Pointspitze mit allen ihren zarten Details und 
ihren technischen Schwierigkeiten w-den Auserlesenen- unserer heimischen Spitzennähe- 
rinnen bekannt gemacht werden soll. Wir hatten Gelegenheit, einige Kunstwerke, denn 
so müssen wir unbedingt die Arbeiten der Schule nennen - zu bewundern und müssen 
gestehen, dass unsere gespanntesten Erwartungen übertroffen wurden. Die Schule in 
Gossengrün scheint auf dem rechten Wege zu sein, eine lHochschule für Spitzennähereia 
zu werden, an welcher auch die geschicktesten Arbeiter des Auslandes mit Erfolg weitere 
Ausbildung suchen konnten. Die österreichische echte Spitze ist eine durchaus eigen- 
artige, welche die möglich höchsten Anforderungen in Bezug auf Formvollendung, Finger- 
fertigkeit und Geistesgegenwart stellt. Sie ist mehr mit der alten, edlen Brabanter als 
mit irgend einer modernen Spitze verwandt. Die wundervollen Dessins, sämmtlich von 
classischer Ausführung und zumeist von Prof. Storck in Wien gezeichnet, der sich über- 
haupt um diesen neuen Kunstzweig grelle Verdienste erworben hat, treten mit ihren 
Licht- und Schattenseiten reliefartig und plastisch hervor und gibt die Schönheit der 
Contouren und die Art und Weise, wie diese hervortreten, den Spitzen ein unvergleich- 
lich prächtiges Aussehen. Unverkennbar zeugt die neue Spitze von einem eingehenden 
Studium der alten Brabanter, doch hat sie diese bezüglich der Ueberwindung technischer 
Schwierigkeiten um ein Bedeutendes überholt. Wir müssen der neuen österreichischen 
Spitze das günstigste Prognostikon stellen, da sie - einmal auf den europäischen Spitzen- 
markt gebracht - nicht verfehlen kann, sich unbedingt einen der ersten Plätze zu erobern. 
Nicht unerwähnt dürfen wir die Thätigkeit der Gossengrüner Lehrerin Fräulein Marie 
Sandtner lassen, die, so oft sie bisher-Gelegenheit hatte, die Leistungen der von ihr 
geleiteten Schule zu veranschaulichen (Oesterr. Museum in Wien, Ausstellung in Eger etc.), 
nebst dem größten Lob, die hüchsten Preise zuerkannt bekam. Ebenso ist dem Central- 
Comite, das durch reichliche Subvention und zahlreiche Stipendien an Klüpplerinnen an 
dem Unternehmen so hervorragend betheiligt ist, alles Glück zu wünschen, - der Dank 
von Seite der Erzgebirger kann und wird ihm nicht ausbleiben. (I-Bohemiau) 
(Gewerbe-Museum in Relohenberg.) Wir erhalten folgende Zuschrift: Die am 
I6. Jänner d. J. abgehaltene Curatoriumssitzung war eine für das Museum bedeutsame. 
Der Vorschlag des Herrn Baron Heinrich von Liebig. dem Museum kunstgewerbliche 
Gegenstände im Werthe von 3000 fl. schenken zu wollen, wenn das Curatorium einen 
nahezu gleichen Betrag zum Ankaufe ähnlicher Gegenstände votiren würde, wurde von 
Seite des Curatoriums freudig acceptirt, nachdem der Cassier des Museums ausgewiesen 
hatte, dass die veranschlagte Summe wirklich zur Disposition sei. 
Die Auswahl der Gegenstände wurde dem genannten kunstsinnigen Herrn Baron 
überlassen, welcher zu diesem Zwecke demnächst eine Reise nach Paris und Florenz antritt. 
Nach dem vom Curatorium acceptirten Vorschlage des Herrn Baron von Liebig 
sollen angekauft werden: 
Der Hildesheimer Silberfund in der Nachbildung von Christo fle in Paris; Venetianer 
Bronzen und Gläser; Florentiner Maioliken; Meissener Porzellan; alte Gläser, Krüge, altes 
und neues Porzellan; alte und neue Metallarbeiten; eine Collectiun Metallarbeiten von 
Hass; einige Gegenstände von Bnrbedienne in Paris; Imitationen nach Palissy. 
Durch diesen Ankauf, welcher nur Mustergiltiges bringen soll, wird die Bedeutung 
des hiesigen Museums mit einem Schlage gehoben und hotfentlich auch das Interesse des 
Publicurns anhaltend geweckt. 
Herr Baron von Liebig hat sich nicht nur durch seine bisherigen äußerst Werth- 
vollen Geschenke, und durch diese neue Schenkung, sondern auch dadurch hochverdient 
gemacht, dass er die betretfenden Gegenstände selbst auswählt und die Unkosten der 
Reise bestreitet. v 
Der Umstand, dass dem Museum die Mittel zur Entsendung eines Sachverständigen 
an die Geschmacksceutren fehlten, war eines der bedeutendsten Hindernisse, mit welchen 
das Museum beim Ankäufe kunstgewerblicher Gegenstände zu kämpfen hatte, da hierdurch
	        

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