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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XVII (1882 / 204)

wenige Münchener Arbeiten ausgenommen, einen etwas provinziellen 
Charakter, und man sieht es der baierischen Production an, dass 
Deutschland noch eine tonangebende, feine Gesellschaft fehlt, die von 
einem Mittelpunkte des Weltverkehres aus dem Geschmacke und den 
Sitten Richtung gibt. Unsere Kunstindustrie hat, wenn der Ausdruck 
gestattet ist, einen weltrnännischeren Zug heute noch voraus. Wenn 
Berlin zu der großen Stellung als deutsche Weltstadt emporgeführt 
wird, zu welcher es die Energie der dortigen Staatsmänner erheben will, 
so werden wir wohl diesen letzten Vorzug auch bald verloren haben. 
Gegenwärtig zeigen sich auf der Nürnberger Ausstellung insbesondere 
Keramik, Glas und Schlosserarbeiten, wie Alles, was mit der Bekleidungs- 
industrie zusammenhängt, noch recht schwach. In Edelrnetallarbeiten 
erscheint das Beste in dem bekannten Genre-gehalten, den Gedon, Seitz, 
Halbreiter u. s. w. mit Virtuosität pflegen; das Figurale an diesen Ar- 
beiten ist meist pikant, hin und wieder aber durch Abgeschmacktheiten 
im Einzelnen oder durch unharmonischen Aufbau des Ganzen verdorben. 
Die Schreinerei stellt sich auch hier, wie anderwärts in Deutschland, als 
nationales Lieblingsgewerbe dar. Sie hat großartig und tüchtig exponirt; 
in den zahlreichen lnterieurs sind ihre Leistungen meist eben so gut, als 
die Gesammtfarbenstirnmung der Räume schlecht ist. Jeder Wiener 
Tapezierer würde es besser gemacht haben, und es scheint in dieser 
coloristischen Seite der Kunstindustrie bezüglich Baierns derselbe Uebel- 
stand zu constatiren, den v. Falke im Vorjahre auf der Stuttgarter Aus- 
stellung hervorhob. Den industriellen Verhältnissen Baierns entsprechend 
spielt natürlich die Textilbranche auf der Ausstellung nahezu keinelRolle. 
Was sodann die Bildungsanstalten betrifft, so ist an den technisch en 
Gewerbeschulen (königl. Industrieschulen) der Fortschritt ein sehr 
beachtenswerther. Fernei- haben die Münchener Fortbildungssch ulen, 
welche neuestens mit großem Erfolge nach gewerblichen Fachgruppen 
gegliedert wurden, sich außerordentlich gehoben, und es ist in diesem 
Zweige seit 1876 die Entwicklung bedeutender gewesen als bei uns. Auch 
der Zeichenunterricht an der Volksschule scheint von Seite der maß- 
gebenden Factoren mit besserem Verständniss berücksichtigt zu werden, als 
dies leider in unserem Lande der Fall ist. Endlich wird auch an den 
baierischen Realschulen noch immer das gewerbliche Fachzeichnen in 
ausgedehnter Weise betrieben, während wir die analogen Anstalten in 
dieser Hinsicht so tief geschädigt haben! Bezüglich der eigentlichen 
kunstgewerblichen Fachlehranstalten darf dagegen constatirt werden, 
dass die Leistungen der unseren nur in manchen Zweigen erreicht und 
kaum in Einem übertroffen werden, wiewohl die baierischen Anstalten 
nicht stehen geblieben sind, wie Jeder, der sich der Ausstellungen von 
1873 in Wien und 1876 in München erinnert, gerne zugeben wird. 
An der Gießerei des Gewerbemuseums wirkt ein Franzose, der 
ehedem bei Barbedienne in hervorragender Weise beschäftigt war und der
	        

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