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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XVII (1882 / 204)

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auch bei feineren und anspruchsvolleren Gegenständen. Es entwickelte 
sich unter Heranziehung der zahlreichen französischen Stiche und Holz- 
schnitte nach den Originalen der gleichzeitigen Meister, bewahrte aber 
in der Reproduction eine ungemeine Freiheit und Leichtigkeit. Die 
mythologischen Darstellungen nach italienischem Vorbild wurden theils 
durch christlich religiöse, theils durch weltliche Sujets verdrängt, während 
das Ornament sich an die allgemein üblichen Muste; jener Zeit hielt w). 
Derartige Fayencen finden wir bei Dernrnin") abgebildet, die meisten von 
ihnen sind mit Jahreszahlen versehen und stammen aus dem 18. Jahr- 
hundert. Unter den Abbildungen bei Du Broc gehören zwei Weihwasser- 
behälter, eine Sparbüchse und ein Eierbecher hieher"). Unsere Sammlung 
besitzt eine Flasche solcher Art (Schr. 14., Nr. 4.5) mit abgeplattetem 
Bauch und vier Henkeln zum Durchziehen einer Schnur, weiß glasirt 
und bemalt in Blau. Auf der'Vorderseite sieht man den h. Nicolaus, den 
Patron der Schiffer und neben ihm Kinder, welche damit beschäftigt sind 
Trauben zu pressen. Eine darüber befindliche Umschrift lautet: "Nicolas 
champagnar bon beuveur qui donne son vin dun bon coeuru. Ein neben 
dieser Flasche befindlicher Blumentopf (Nr. 32) mit gewundenen Henkeln 
ist in Blau und Manganviolett bemalt, und zeigt neben üguralen Dar- 
stellungen chinesische Zuthaten in der Landschaft. Eine solche Mischung 
in Uebung stehender Decorationsarten an ein und demselben Objecte ist 
durchaus nichts Seltenes, sowohl in Nevers, wie an anderen keramischen 
Productionsstätten Frankreichs. Bei Du Broc finden wir auf pl. Vl. einen 
Wasserbehälter, der im Wesentlichen noch die italienischen Traditionen 
festhält, in manchem Detail aber schon Anklänge an das persische Genre 
erkennen lässt, auf pl. IX. eine Schüssel, welche persische und chinesische 
Motive vereinigt, auf pl. XVI. ein vasenartiges Gefäß, dessen Form im 
Charakter der Renaissance gehalten ist, und dessen Ornamentik theils 
Rouen imitirt, theils sich an chinesische Muster hält. Eine ähnliche 
Combination zeigt eine große Kanne auf pl. X. - ln ansehnlicher Menge 
wurden in Nevers größere und kleinere plastische Fayencefiguren erzeugt. 
Namentlich Heilige für Hausaltäre und als Schutzpatrone, wie man sie 
an der Außenseite der Häuser anzubringen liebte. Wie die Beispiele bei 
Demmin") und Du Brocg") zeigen, besitzen diese Arbeiten nur aus- 
nahmsweise höheren Kunstwerth. - Im 18. Jahrhundert imitirte Nevers 
nebenbei auch die Fayencen von Rouen, Moustiers und endlich sogar 
die_Porzellanarbeiten von Meißen. Du Broc gibt zu jedem dieser Genres 
ein Beispieln). Bezüglich der Imitation des Genres a la corne ist zu be- 
") Du Broc a. u. O. pI. XIX ßg. 17-21. 
") Demmin a. a. O. pl. 2 Gg. 4, pl. 249 zwei Flaschen, pI. 43 zwei Schüsseln. 
") A. a. O. pI. XI und VIII. . 
"-') A, a. O. pl. I. 
"') A. a. O. pI. IV und VIII. 
") A. a. O. pI. XII Hg 2, pl. X Fug. 1 und die Ornnmenlrnusler pl. XIX. 
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