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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XVII (1882 / 204)

Concurrenz die Spitze zu bieten, vor allem aber das altgeadelte Drechslergeschäit aus der 
Degeneration, in welche es im Laufe der Zeit herabsanlt, herauszureißen, liegt auf der 
Hand. Es wäre auch ganz verfehlt, die Bedeutung dieser Schule in der Metropole des 
Reiches, in der Mitte des Empiriums des Drechslergewerbes, zu verkennen, eines Gewerbes, 
das in großem Maßstabe exportfahig ist und in Wien 5000 Lehrlinge und 7000 Ge- 
hilfen mit 1700 Meistern als Angehörige zahlt. Es ist nunbesonders erfreulich, 
dass seit Uebernahme der Fachschulverwaltung in das Ressort des Unterrichtsministeriums 
sich die Lage der Schule insofern finanziell besser gestaltet, als derselben hinfort eine 
jtthrliche Staatssubvention von 1600 fl. zugesichert wurde. Die Forderungen des Ministeriums 
bezüglich der Schüleraufnahme, der Beziehungen der Schule zu dem technologischen 
Museum u dgl. werden wohl von der Genossenschaft, welche alles für das Gedeihen ihrer 
Schule aufbietet, im vollsten Maße erfüllt werden. Es ist auch bereits die sofortige Eröffnung 
eines dritten Jahrganges geplant, in welchem blos Fachzeichnen, Bossiren praktische 
Unterweisung und Chemie gelehrt werden sollen. Auf diese Weise, durch noch größere 
Aufmerksamkeit, welche rnan dem Fachzeichnen, Bossiren zuwenden will, wird es um so 
leichter möglich werden, dieser Schule den Charakter einer kunstgewerblichen Fachschule 
zu wahren. Denn das eine ist schließlich noch zu betonen, dass die Drechslerei seitjchcr 
nicht als bloßes Handwerk, sondern stets als Drechslerkunst aufgefasst wurde. 
(Tiroler Glasmalerei-Anstalt in Innsbruck.) Die Tiroler Glas- 
malerei-Anstalt hat jüngst den bedeutendsten Auftrag seit ihrem Bestands 
übernommen, nämlich die Ausführung sämmtlicher Kunstverglasungen für 
die Kathedrale von Providence (Rhode-lsland), zusammen 122 Fenster, 
welche mit Glasgemälden, alle Hauptmomente der Geschichte des alten 
Bundes, das Leben Jesu und Matiens darstellend, geschmückt werden sollen. 
(Restaudrung der Spitatslclroha in Modling.) Architekt Leopold Theyer hat 
die Spitalskirche in Modling restaurirt. Die stylvolle Restauration dieses Denkmals gereicht 
dem Künstler zur Ehre. L. Theyer, ein Schüler Friedr. Schmidfs, früher Docent an 
der Kunstgewerbeschule des Museums, hat in dieser kleinen Kirche ein Muster aufgestellt, 
wie man das Mobiliar und' die Polychromie eines gothischen Baues behandeln soll. Ueber 
die Kirche bringt Dr. A. llg, in der nWiener Abendpn- Nr. x71, 28. Juli 1882, eingehende 
Mittheilungen. Hoffentlich gibt diese so schon durchgeführte Restauration der Spitalskirche 
den Modlinger Kunstfreunden den Muth, auch die Restauration der großen Pfarrkirchc und 
der Rundcapelle in Angriff zu nehmen. 
(Bericht der k. k. Fachschule für Photographie und Reproduotionsver- 
fahren in Salzburg über den Wintersemester 1881182.) Von den 30 Schülern, 
welchen der Zutritt zu den Laboratorien und Ateliers gewahrt werden konnte, während 
diesmal bereits circa 20 Aufnahmewerber, wegen Mangel an Raum keinen Platz mehr 
finden konnten, widmeten sich hauptsächlich oder ausschließlich x. der Photographie: 
sieben Schüler und eine Schülerin und zwar meist jüngere unter 12 Jahren, um sich zu 
Operateuren, theils für Fortran, theils für Landschaftsphotographie auszubilden oder darin 
zu vervollkommnen, und ein Schüler davon zur Ergänzung der im Vorjahre erlernten Zinlto- 
graphie. z. Dem Retouchiren: ein Schüler mit akademischer Vorbildung für gesammte 
Retouche und hauptsächlich für Oelretouche auf Linographien und eine Schülerin für 
Porträtretouche. 3. Der Photolitographie: drei Schüler u. zw. ein Steindrucker, ein 
Operateur und ein Schüler, welcher sich erst neu diesem Fache zu widmen entschlossen 
hatte. 4. Der Zinkatzung: fünf Schüler u. zw. ein photographischer Gehilfe, ein Zink- 
atzer (zur Vervollkommnung) und drei, welche sich diesem Fachc_neu zuxvendeten. 
5. Dem Lichtdruck: fünf Schüler, worunter vier photographische Gehilfen, wovon 
wieder Einer den Lichtdruck speciell für Anwendung auf Landschaft und Einer speciell 
zur Anwendung für Portrate erlernte, und ein Schüler, der sich diesem Fache neu zu- 
wendete. 6. Dem Lichtdruck und der Zinkätzung, theilweise auch in Ver- 
bindung mit Photographie und Photolitographie: fünf Schüler, darunter ein 
photographischer Gehilfe und vier Schüler, welche sich neu diesen Fachern zuwendeten. 
7. Einzelnen Specialitaten: zwei Schüler, darunter einer der Photokeramik und 
einer dem Malen von Hintergründen in Verbindung mit Photographie. 
Von diesen 30 Schülern hatten vier die Fachschule bereits im vergangenen Schul- 
jahre frequentirt, während 26 neu eingetreten sind. Außerdem besuchten den Vorberei- 
tungscurs noch sechs jüngere Aufnahmewerber (von t4._i6 Jahren) welchen wegen mangel- 
hafter Vorbildung und Reife der Zutritt zu den Laboratorien und Ateliers noch nicht 
gestattet war. Dem Alter nach waren 14 unter dem zwanzigsten Lebensjahre; 15 zwischen 
zwanzig und dreißig Jahren und einer über dreißig Jahre alt. Der Vorbildung nach fanden 
sich nebst verschiedener praktischer Vorbildung, theilweise und vollständige Mittelschul- 
bildung in 13 Fallen, dazu noch 1-3 Jahre Hochschulstudien in weiteren sieben Fallen.
	        

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