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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XVII (1882 / 204)

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der es in Glasur, Farbe und Transparenz gleich sehe. Unumstößlich ist 
diese Deduction nicht, sie wird von vielen Fachleuten angenommen. 
Im 14. Jahrhundert findet sich der Name Porzellan schon vielfach 
in den lnventarien königlicher Kunstsammlungen und Schatzkammern vor: 
Im Schatze des Herzogs von Anjou war 1360: wune escuelle d'une pierre 
appelee pourcellaineu, in dem der Gemahlin Philipps des Schönen (1- 1370): 
nun pot ä eau, de pierre de pourcellaineu. Man darf darunter wohl unser 
Porzellan verstehen, das man für eine- Art Stein hielt und in Gold fasste! 
rune petite pierre de pourcelaine, entaillee a six petiz ymages, garnye d'or-i, 
wie es im Inventar Karls V. von Frankreich lautet. 
So interessant es ist, zu verfolgen, wie sich das geheimnissvolle 
Dunkel, in dem das chinesische Porzellan stand, nach und nach lichtete, 
kann doch die chronologische Reihe der Nachrichten hier nicht entwickelt 
werden. Recht bekannt wurde Europa damit erst, als die Portugiesen nach 
Entdeckung des Seeweges nach Indien chinesisches Porzellan als Handels- 
waare herüber brachten und in noch ausgedehnterem Maße, da im 17. 
Jahrhundert die Holländer Herren des Handels mit Indien und China ge- 
worden, das Porzellan in enormen Massen auf den europäischen Markt 
warfen. Dieser Handel mag die holländischen Geldsäcke tüchtig gefüllt 
haben, denn in China konnte man, wie schon Marco Polo berichtete, für 
einen venetianischen Groschen acht Porzellanbecher kaufen und in Europa 
wurde das Porzellan mit Gold gewogen. Hatte dieser Handel die chinesischen 
Fabrikate verbreitet und bekannt gemacht, so blieb der StoE und die 
Erzeugung desselben so räthselhaft, wie zuvor - ja die abenteuerlichen 
Berichte, die crassen Lügen, die von den Reisenden in jener Zeit in die 
Welt geschickt wurden, waren eher geeignet, das mystische Dunkel zu 
vermehren, in welches die chinesische Porzellanindustrie gehüllt war - 
damals schon so reich, oder vielleicht noch reicher entwickelt als jetzt, 
aber auch auf das sorgfältigste vor unberufenen Augen behütet. 
Die zuverlässigsten, auf eigener Anschauung basirten und mit relativ 
größtem Verständnisse gemachten Mittheilungen über den Stand der 
damaligen Industrie haben wir vom Jesuitensuperior in China, Pater 
Francois Xavier d'Entrec0lles - gestorben 174i zu Peking. Derselbe 
fand bei seinem Aufenthalte in King-te-tschin, dem Mittelpunkte der 
Porzellanindustrie in der Provinz Kiansi, einem Vorbilde unserer modernen 
englischen Töpferstädte gegen 3000 Porzellanöfen in Betrieb. Er be- 
schreibt ganz richtig, dass die Chinesen ihr Tseki (Porzellan) aus zwei 
Ingredienzien zusammensetzen: dem Kaolin aus den Granitfelsen des Sees 
Eo-Yang - einer weißen Thonerde - und aus dem Petuntse, der aus 
harten Felsen gebrochen, gemahlen, mit Wasser gemengt, zu einem Teige 
gemacht, endlich in Ziegelform gebracht und so an die Fabriken verkauft 
wird. Es ist dies unser Feldspath. nMit ihm allein" - sagt Pater d'Entrea 
colles - "kann man ebensowenig Porzellan machen, als mit Kaolin ohne 
Petuntseu. Letzterer lässt sich im Feuer schmelzen, ersterer nicht. Zu
	        

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