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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XVII (1882 / 204)

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diesen zwei Stoffen geben die Chinesen noch einen dritten - die Glasur 
Tsi - auch aus einer Sorte weißen Petuntse gewonnen und mit einer 
Art Gyps (chekao) vermengt. Die Fabriken zu King-te-tsching waren zur 
Zeit diEntrecolles schon Fabriken des Kaisers. Sie standen unter der 
Aufsicht eines Mandarins und zahlreiche Polizeibeamte hielten Zucht und 
Ordnung unter den Arbeitern aufrecht. 
Anfänglich wurden die Porzellane nur weiß hergestellt, unter der 
Tsin Dynastie (265-419) kam das blau bemalte Porzellan auf, welches 
aber nur für den kaiserlichen Bedarf hergestellt werden durfte. Dieser 
Vorbehalt einer bestimmten Farbe für das kaiserliche Haus wurde in der 
Folge zum Gesetz. Im 17. Jahrhundert, zur Zeit der ostindischen Com- 
pagnie, war jedem Privaten der Besitz des gelben kaiserlichen Porzellans 
bei Todesstrafe verboten. Vom 12. Jahrhundert an, hatten sich übrigens 
auch die Mandarinen eines solchen Privilegs zu erfreuen, ausschließlich 
auf Geschirren von bestimmter Farbe und Decoration speisen zu dürfen. 
Es existirten demnach in China drei social unterschiedene Sorten von 
Porzellanen, jene für das kaiserliche Haus, die zweite für die Beamten, 
die dritte für's Volk. Auch die Ausfuhr von Porzellan war anfänglich 
strengstens verboten, später ließ man die Volkswaare hinaus. Die älteren 
chinesischen Porzellane sind in der Folge so rar und kostbar geworden, 
und bei den späteren Chinesen in so hohes Ansehen gekommen, dass selbst 
Bruchstücke zu den höchsten Preisen gezahlt und von den Mandarinen 
statt der Edelsteine an den Mützen getragen wurden. Aus China 
hat sich die Porzellanfabrication nach Japan, dem Schwesterreiche, ver- 
breitet, wo sie namentlich im i6. und 17. Jahrhundert zu hoher Voll- 
kommenheit gedieh. 
Eine der prächtigsten Sammlungen chinesischer und japanischer 
Porzellane birgt das japanische Palais in Dresden Den Grundstock der- 
selben bilden, nebst den über Holland angekauften Stücken, 127 Gefäße, 
die Friedrich Wilhelm l. von Preußen 1717 dem prachtliebenden König 
August dem Starken zum Geschenk gemacht hat. König August revan- 
chirte sich, indem er an den preußischen Souverän, der bekanntermaßen 
eine besondere Vorliebe für große Soldaten hatte, ein Regiment baum- 
starker Dragoner als Gegengeschenk abschickte. 
Die chinesischen und japanischen Porzellane zeichnen sich durch 
einen angenehmen bläulichen Stich ihrer Masse aus, was die Wirkung 
des mit hochentwickeltem Farbensinn hergestellten bunten Emaildecors so 
wesentlich hebt. Sieht man von den bizarren Formen und der für die 
chinesische Kunst charakteristischen Regellosigkeit und Unsymmetrie des 
Decors ab, so zeigen die Producte doch gewiss in der ausgezeichneten 
Harmonie der zartfärbigen Emaile die Meisterschaft der Chinesen in der 
decorativen Verwendung der Farbe. 
Dass bei der hohen Werthschätzung, die dem chinesischen Porzellan 
seit seiner Einführung in Europa allgemein zu Theil wurde, allüberall
	        

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