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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XVII (1882 / 204)

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die eifrigsten Bestrebungen dahin gierigen, hinter das Geheimniss der Er- 
zeugung zu kommen, dass viele Thonwerkstätten Europa's in fieberhafter 
Thätigkeit Versuche über Versuche anstellten, um ein gleiches Product 
zu erzielen, ist leicht begreiflich. 
Männer der Wissenschaft widmeten ihre Kraft, ihren Scharfsinn 
diesem Problem, stellten geistreiche Hypothesen auf: so der berühmte 
französische Naturforscher Reaumur, der das chinesische Product als 
eine Art durch langes Feuer zersetztes - sogenanntes entglastes Glas - 
bezeichnete und dem es in der That gelang, ein äußerlich halbwegs 
ähnliches Product auf mühsamem Wege zu erzeugen: das Reaumufsche 
Porzellan, ein Erzeugniss, das indess nie zu praktischer Bedeutung 
gelangt ist. 
zoo Jahre suchte man vergeblich das Richtige, erst 170g gelang es 
dem Alchemisten Böttger in Dresden unter Anwendung des richtigen 
Materiales wirkliches, wahres Porzellan herzustellen und also diese Kunst 
zum zweitenmale zu erfinden. Die Geschichte der Erfindung ist ganz 
interessant. Johann Friedrich Böttger war 1696 als i4jähriger Junge 
zum Apotheker Zorn in Berlin in die Lehre gekommen, in dessen Labo- 
ratorium er sich sehr bald reiche chemische Kenntnisse und praktisches 
Geschick angeeignet zu haben scheint. Bald war er auch der Alchemie 
verfallen und braute und kochte und suchte den Stein der Weisen, das 
große Arcanum. Da besuchte ihn der griechische Mönch Lascaris, ein- 
berühmter Aclept, für dessen Kunst des Goldmachens so viele der glaub- 
würdigsten historischen Zeugnisse vorliegen, dass man darob in seinem 
Urtheile über die Alchemie fast irre werden könnte. Nun war es mit 
Böttger gar aus. Träumerei bis zur Selbsttäuschung, Eigenlob, Selbst- 
überhebung, maßlose Zuversicht in seine Kunst, maßlose Verwegenheit 
in Erwartungen und Versprechungen, all diese Suite von Charakterzügen 
des Adeptenthums kam auch bei ihm grell zum Vorschein. 
Zugleich war aber auch der Ruf des jungen Goldkoches bald in 
aller Welt. Selbst der große Leibnitz nahm Notiz von ihm und eines 
schönen Tages erschien vor seinem Laboratorium der König selbst, um 
sich von Böttger Proben seiner Kunst zeigen zu lassen. Was folgen 
werde, sah Böttger voraus und verließ in der darauffolgenden Nacht 
(20. Octoher 170i) heimlich Berlin. Wirklich sollte er gefangen genommen 
werden, um des Königs Kasse mit seiner Kunst zu füllen, wurde aber 
von den nachgesandten. Häschern nicht mehr erreicht, entkam nach 
Wittenberg und stellte sich unter den Schutz des Königs August von 
Sachsen - aus dem Regen in die Traufe! Auch da waren die Staats- 
kassen leer und unser Böttger sollte in Dresden fleißig arbeiten - 
ehrenvollst und mit Auszeichnung behandelt, aber unter scharfer Be- 
wachung und Controle - ein Gefangener. Als er sich ungeberdigzeigte, 
kam er gar auf den Königstein, später in die Albrechtsburg in Meißen. 
Da scheint es nun mit der Kunst nicht recht gegangen zu sein und wie
	        

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