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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XVII (1882 / 205)

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der 
„Mittheilungen des k. k. Oesterreieh. Museums." 
wähnenden Fabriken von Marseille haben in künstlerischer Beziehung ein 
bestimmtes Genre geschaffen. Ihre Arbeiten bewegen sich in den unter 
Ludwig XV. und XVI. allgemein üblichen Formen und imitiren mittelst 
Anwendung von Muffelfarben die Decorationsweise des Porzellans. Einige 
charakteristische Merkmale der Marseiller Fayencen sind mehr technischer 
als künstlerischer Natur, so das vSavy-Grünu bei den Fayencen der ge- 
nannten Fabrik und im Allgemeinen die leichte Erhabenheit der Farben 
im Gegensatze zu den Fayencen von Straßburg, die in Marseille häufig 
nachgeahmt wurden"). Eine Schüssel unserer Sammlung, Schr. 14, Nr. 35, 
stammt aus der genannten Fabrik, trägt deren Marke, und zeigt auf dem 
Rande, der in Form von Kohlblättern gebildet ist, auch die außer- 
gewöhnlich grelle grüne Farbe, das v-Savy-Grün-A. - Eine zweite hervor- 
ragende Fabrik war die des Gaspard Robert, welcher namentlich 
durch Anwendung von Vergoldung brillante Effecte zu erzielen wusste. 
Eine Schüssel unserer Sammlung Nr. 20, mit Blumen bemalt, und einem 
violetten R bezeichnet, ist aller Wahrscheinlichkeit nach dieser Fabrik 
zuzutheilen. Siehe ferner die in Anm. l") angeführten Beispiele. - Ein 
drittes Etablissement, welches die Vorzüge der beiden genannten zu ver- 
einigen verstand, war das der Witwe Perrin, deren Erzeugnisse be- 
sonders in Bezug auf die Blumenmalerei auf farbigem Grunde excellirten. 
Einen mit der Marke ihrer Fabrik bezeichneten, mit Blumen bemalten 
Teller zeigt Nr. 39 unserer Sammlung"). Leicht hingeworfene uaturalistische 
Blumen bilden überhaupt das gewöhnliche Sujet der Bemalung; daneben 
finden sich aber auch häufig, und das ist charakteristisch für Marseille, 
sowohl plastisch ausgeführte als auch gemalte Seethiere und Muscheln. 
Ein Beispiel hiefür bietet eine Suppenschüssel 'unserer Sammlung (Nr. 27) 
mit Deckel und Untersatz, bezeichnet mit einem Stern. 
In der zweiten Hälfte des x8. Jahrhunderts arbeitete neben den ge- 
nannten Fabriken noch mehr als ein halbes Dutzend anderer in ähnlicher 
Weise, und wurden auch außerhalb Marseille dessen Fayeneen häufig 
imitirt, so vorzugsweise in der Fabrik Ollivier in Montpellier "), ferner 
in Aubergne, wo auch die Marken von Marseille gefälscht wurden, endlich 
in Nimes, Sarnadet, Auvillar und Rennes. 
") Ris-Paquot pl. 125 u. 126 und Demmin pl. 248, Fayencen von Savy. 
") Ris-Paquot pl. x27, 118, 130 u. 134,. 
") Weitere Beispiele siehe Ris-Paquol pl. 129 und 131-133. 
") Siehe Ris-Paquot pl. x38 und Mareschal pl. 76. 
1x. ßa. 1882. I3
	        

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