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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XVII (1882 / 205)

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reichert wird, und als ob es für das ganze geistige und sociale Leben 
Wiens gleichgiltig wäre, 0b das Künstlerhaus gedeiht oder nicht. Nicht 
ein einziges Kunstwerk ist aus dem Besitze der Commune zur Ausstellung 
gelangt, nicht ein einziges von der Stadt Wien erworben worden, ub- 
gleich mehrere österreichische Künstler, welche Wiener von Geburt sind, 
hier zum ersten Male in ganz hervorragender Weise ausgestellt haben und 
vier mit der goldenen Medaille ausgezeichnet wurden, wir meinen den 
Maler v. Thoren, die Bildhauer los. E. Böhm und Victor Tilgrier 
und den Medailleur Josef Tautenhayn. 
Auch die österreichischen Amateurs von hoher gesellschaftlicher 
Stellung haben wenig dazu beigetragen, die Zwecke der Ausstellung durch 
Ankäufe oder Kunstaufträge zu fördern. Glänzende Ausnahmen machen 
der Kaiser, der unermüdliche Förderer unserer Kunst, und der Träger 
des ersten österreichischen Adelsgeschlechtes, der es nicht liebt, dass sein 
Name genannt wird, der aber immer bereit ist, die bildende Kunst, 
Kunstunternehmungen und -Institute zu fördern. 
Von hervorragenden Kunstschriftstellern ist betont worden, dass 
die bildende Kunst im heutigen Europa sich nicht in aufsteigender Be- 
wegung befindet. Unter den beiden großen rivalisirenden Nationen des 
heutigenEuropa, der deutschen und französischen, hat die erstere eine Reihe 
von Talenten, die letztere den großen Vortheil aufzuweisen, dass ihre 
Kunst auf festen Kunsttraditionen beruht, welche sich durch Jahrhunderte 
bewährt haben. 
Auch darüber ist kein Zweifel, dass das Kunstbedürfniss sich bei 
allen Nationen und in allen Culturstaaten geltend macht und dass die 
Nationalitätsidee fast ausnahmslos alle Künstler in Bewegung setzt. Sie 
gruppiren sich nicht nach Staaten, sondern nach Nationen, denen sie an- 
gehören. Durch den Factor der Nationalität steht das Kunstleben in 
engem Zusammenhange mit den großen politischen Fragen, welche die 
Landkarte des heutigen Europa umzugestalten drohen. Durch einige der 
ausgestellten Kunstwerke kommen auch die Symptome der socialen Be- 
wegung zur Erscheinung. Wir vermeiden es, auf diese politischen und 
socialen Erscheinungen hier weiter einzugehen; sie zeigen nur, wie anregend 
für einen denkenden Beobachter des heutigen Kunstlebens die Ausstellung 
gewesen ist. 
Die Anerkennung, welche das hervorragendste europäische Kunst- 
blatt, die "Gazette des Beaux-Artsu im Julihefte aus Anlass der inter- 
nationalen Kunstausstellung im Künstlerhause über dieses und über die 
österreichischen Künstler ausgesprochen hat, kann als ein treues Bild des 
Eindruckes betrachtet werden, welchen die französischen Künstler heim 
Besuche des künstlerischen Wien empfangen haben. Wenn es der Raum 
uns gestattete, würden wir den lehrreichen und geistvollen Bericht des 
Herrn Jacques d'Aubais unsern Lesern vollständig mittheilen; wir fügen 
hier nur noch hinzu, dass Herr d'Aubais Makart, Angeli, Rumpler, Canon,
	        

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