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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XVII (1882 / 205)

Und als dann die indessen entwickelte böhmische Porzellanindustrie 
immer lauter und lauter Klagen erhob über Schädigung, über das Ver- 
derbliche einer Concurrenz des Staates mit seiner eigenen Industrie, da 
war über die Fabrik der Stab gebrochen. Alle Bestrebungen der tüchtigen 
und thätigen Kräfte der Anstalt, sie wieder auf ein höheres Niveau zu 
heben, durch Musterleistungen die Lebenskraft und das technische Können 
des Institutes darzuthun, scheiterten. - Der Gedanke, die Fabrik zu 
restringiren, zu einem reinen Kunst- und Musterinstitute, der Concurrenz 
mit der privaten Industrie entrückt, umzuwandeln, lag nahe. Man verwarf 
ihn oder hatte ihn gar nicht. Die volle Erkenntniss der Bedeutung der 
Kunstindustrie für die materielle und Culturentwicklung des Landes war 
noch nicht durchgedrungen, die Aufgabe des Staates, durch Lehranstalten, 
Muster- und Versuchsinstitute den Fortschritt der Industrie zu leiten und 
zu unterstützen, noch nicht genügend erkannt. 1867 wurde die kaiserliche 
Porzellanfabrik aufgelöst, die Vorräthe versteigert und die Traditionen 
von 150 Jahren zerstoben in alle Winde. Wir werden sehen, wie man 
dieselbe Existenzfrage einer staatlichen Fabrik in Frankreich aufgefasst 
und zur Lösung gebracht hat. 
Wenden wir uns nun, nachdem wir die Schicksale der Wiener Fabrik 
bis zu ihrem Ende verfolgt, wieder zurück in die Zeiten ihrer ersten Jugend. 
Konnte Meißen sein Geheimniss kein Decennium für sich behalten, so ge- 
lang dies der Wiener Fabrik ebensowenig. 1740 verließ ein Angestellter 
derselben, der im Besitze ihrer Arcana war, Namens Ringler, Wien und 
wandte sich zunächst nach Höchst im Churmainzischen, wo sich der Stein- 
gutfabrikant Gelz schon seit langer Zeit mit Versuchen über Porzellan 
abmühte. Ringler richtete dort im Vereine mit seinem Vertrauten Bengraf 
eine Porzellanfabrik ein, die namentlich später, als sie vom Churfürsten 
von Mainz zur Staatsanstalt gemacht wurde, sich schön entwickelte und 
gedieh. 
Die unter der geschickten Leitung des Modelleurs Melchior ver- 
fertigten Fabricate der Höchster Fabrik genossen hohen Ruf, und konnten 
selbst die Concurrenz mit Meißen ertragen. Die Fabrik, deren Zeichen 
das Mainzer Wappen, ein Rad in Gold, Roth oder Blau war, wurde 1794 
bei dern Einfalle der Franzosen zerstört. 
1750 hatte der Herzog Carl von Braunschweig den eben genannten 
Gehilfen Ringlers, Bengraf, bewogen, Höchst zu verlassen und zu Fürsten- 
berg eine Fabrik zu gründen, die in der Folge ziemliches Renomme genoss. 
Und von nun an sehen wir eine Fabrik nach der andern in rascher 
Aufeinanderfolge entstehen. 
Der erwähnte Arcanist Ringler aus der Wiener Fabrik, war ein 
derber Weintrinker und ließ sich im Rausche von seinen Arbeitern die 
Recepte, die er stets bei sich trug, aus der Tasche ziehen, so dass sie 
bald so viel wussten als er selbst.
	        

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