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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XVIII (1883 / 210)

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das delische und das äginetische Erz. Er fügt hinzu, dass die Künstler 
diese Bronze durch die Mischung des Kupfers mit Gold, Silber oder Zinn 
erhielten, je nach den verschiedenen Verhältuisszahlen verschieden. Clarac 
nennt das unter dem Namen aurichalcum (Couleur de Chrysocale) be- 
kannte Erz eine Mischung desselben mit Gelamina oder Zinkoxyd, wodurch 
die Bronze Goldfarbe und größeres Gewicht erhalten habe. Offenbar eine 
sehr unbestimmte Angabe. _ 
Ein sehr gelehrter und bedeutender Künstler nennt in seinem Artikel 
über die Bronze [Dictionnaire de Pacademie des beaux-arts] folgende 
Verhältnisszahlen für die Mischung: Egyptische Bronze: Kupfer 85'555, 
Zinn 14:15. Griechische Bronze [durchschnittlich]: Kupfer 9370, Zinn 6'3o. 
Römische Bronze: Kupfer 78'535, Zinn zro5. Bronze der Brüder Keller, 
welche die Statue Ludwigs XIV. auf der Place Vendöme gegen Ende 
des 17. Jahrhunderts gegossen haben: Kupfer gröo, Zink 533, Zinn F70, 
Blei F37. Glockenmetall: Kupfer 75, Zinn 25. 
Kehren wir zu den Florcntinern zurück, so kann man nicht zweifeln, 
dass ihre Mischung außer Kupfer (rame) und Messing (ottone) etwas 
Zink (gelamine) und eine weitaus geringere Menge Zinn (stagno) enthalten 
habe. Fragen wir aber nach den Verhältnisszahlen, so gewinnt es den 
Anschein, als hätten die Künstler aus ihrem Verfahren ein Geheimniss 
gemacht. Vielleicht hat man sich einfach dem Handwerksbrauche an- 
geschlossen, einer Tradition, welche weder bestimmte Regeln, noch fest- 
gesetzte Verhältnisse kennt; vielleicht auch hatte jede Werkstätte ihr 
eigenes Geheimniss und trug Sorge, dass es gewahrt blieb. Die Erzäh- 
lung, wie Benvenuto Cellini in seiner Verzweiflung die Zinnschalen in den 
Gießofen warf, aus dem sein Perseus herauskommen sollte, ist bekannt. 
Wir erfahren weiter, dass P. Partigiano zum Gusse der Domthüren von 
Pisa die Bronze der bei der Feuersbrunst geschmolzenen Glocken modi- 
ficirte und benützte. 
Es scheint sonach glaubwürdig, dass sich die Florentiner keiner 
Mischungsformel bedient haben und dass das Geheimniss ihrer Legirung 
nie verloren gegangen ist, weil es wahrscheinlich gar nicht existirt hat. 
(Foucques sagt, es sei wahrscheinlich, dass sich die Mischung der 
Florentiner von jener der Brüder Keller nicht viel unterschieden habe. 
Diese besteht aus 90 Theilen Kupfer, 7 Theilen Zink, 2 Theilen Zinn 
und l Theil Blei; doch ist das eine bloße Vermuthung.) 
Il. Von der Patina. 
lst die Patina, jene leichte, bald grüne, bald röthliche Schicht, welche 
die Oberfläche der Statuen und Bronzemonumente bedeckt, durch natür- 
liche Oxydation des Kupfers entstanden? Ist sie eine Folge der Vollen- 
dung in der Mischung, oder kann sie auch künstlich erzeugt werden? 
Es kann kaum zweifelhaft sein, dass es eine natürliche Patina gibt, 
und eine auf künstlichem Wege hervorgebrachte. Die natürliche Oxydation
	        

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