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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XVIII (1883 / 210)

Die Kunstausstellung in Rom. 
Einem aus Rom an die Direction des Museums gerichteten Briefe 
entnehmen wir Folgendes: 
Das Ereigniss des Tages ist hier die große Kunstausstellung. Die 
Malerei (nur Italiener mit fünf oder sechs Ausnahmen) ist geradezu er- 
bärmlich, auch sind Bilder so ohne Auswahl und in so driickender Masse 
ausgestellt, dass man die Lust verliert, das weniger Schlechte heraus- 
zusuchen. Dagegen ist die Sculptnr - sie füllt ebenfalls zehn große Säle 
- immer interessant, denn, wenn auch die Gegenstände und Erfindungen 
meist unbedeutend sind, steht man doch vor der durchgängig vortreff- 
lichen Technik erstaunt und kann durch dieselbe auch vieles, was sonst 
missfiele, ertragen, ja sogar sich daran erfreuen. 
Höcht interessant ist dagegen die Ausstellung von Gegenständen der 
Kunstindustrie; sie war im Programm nicht sehr hervorgehoben, 
bildet jedoch den besten Theil der Ausstellung. 
Die Keramik ist durch sehr viele Firmen vertreten, die zwar 
manches Mittelmäßige, dafür aber auch viel Gutes bringen; Glas vor- 
nehmlich durch die venetianischen Fabriken, die in der Durchführung 
antiker Imitation sich stets vervollkommnen, jedoch auch in ganz m0- 
dernen Dingen, z. B. im Mosaikbilde eines venetianischen Abendhimmels, 
geradezu Verblülfendes bieten. Auch Bronze ist, wenngleich nicht be- 
deutend, doch gut. Es fällt hier angenehm auf, dass Schlechtes durch- 
gängig ausgeschlossen ist. 
Doch wäre es ungerecht, nicht vor Allem des höchstgelungenen 
Ausstellungsgebäudes zu gedenken, das sich mit einer colossalen Facade 
gegen die Via nazionale eröffnet. Hier sieht man noch die volle Nach- 
wirkung der Kunst der großen römischen Zeiten. Alles würdig und groß- 
räumig. Vor den Thüren eine große Freitreppe mit einer schönen Säulen- 
halle dahinter, in so großen Verhältnissen, dass es das Municipium hatte 
wagen können, zur Eröffnungsfeier gegen 3000 Personen zu laden, die, 
während man sonst bei solcher Gelegenheit sich in engen Räumen drücken 
muss, bei der Ankunft des Königs alle auf die Freitreppe herausgetreten 
waren und man wie vor einem großen Theater der Auffahrt der Carrossen 
zusehen konnte. 
Dass nun bei so vielem Publicum nicht die beste Ordnung herge- 
stellt werden konnte, und manche ofiicielle Persönlichkeiten sich durch 
einen minder passenden Platz, der ihnen angewiesen war, verletzt fühlten, 
was viel Rumor in den Zeitungen gab, kommt dagegen gar nicht in 
Betracht. Die Stimmung war eine eminent festliche.
	        

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