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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XVIII (1883 / 213)

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Technik in allen Culturperiodenc ihren Anfang genommen und wir hoffen 
unseren Lesern statt eines kurzen Referates den ganzen Vortrag demnächst 
vollinhaltlich mittheilen zu können. ' 
Am r7. Mai folgte sodann der Vortrag des Vice-Directors Regie- 
rungsrath v. Falke über vDie Kunst in der Bronze-lndustriea. Der Vor- 
tragende ging von dem heutigen Zustande der Dinge in der Kunst wie 
in der Kunstindustrie der Bronze aus und gedachte der Mängel derselben, 
darunter auch insbesondere des Umstandes, dass die heutigen Erzmonu- 
mente so rasch ein schlechtes, schwarzes, schmutziges Aussehen gewinnen. 
Daraus wurde der Nutzen einer umfassenden Bronze-Ausstellung geschlossen 
und deren vielseitiges Interesse und mannigfache Gesichtspunkte für die 
Kunst und die Wissenschaften besprochen. Uebergehend zu dem eigent- 
lichen Gegenstande des Vortrages, der ästhetischen Kritik aller Bronze- 
arbeiten, stellte er drei Fragen auf, welche vorzugsweise in Betracht zu 
kommen haben, nämlich: r. nach dem Guss, 2. nach der Behandlung der 
Oberfläche, d. i. Ciselirung, 3. nach der Farbe oder Patina. Jede dieser 
drei Fragen wurde eingehend nach ihren Anforderungen besprochen, mit 
ihrer Anwendung sowohl auf die Bronzen der antiken Zeit, des Orients, 
der Renaissance als auch der modernen Zeit, deren eigenthümliche Unter- 
schiede mehrfach hervorgehoben wurden. Bei dieser ausgeführten Erör- 
terung ergaben sich verschiedene Regeln und Forderungen, welche der 
Vortragende in den folgenden sieben Sätzen zusammenfasste: r. Bronze 
verlangt vollendete, fein" durchgeführte Modellirung; 2. Bronze verlangt 
zur Bildung einer guten Patina eine glatte Oberfläche; 3. die gute Farbe 
der Bronze ist nicht ein und dieselbe, sondern sehr mannigfach in den 
Tönen vorri Grün und goldigen Braun bis zum glänzenden Schwarz; 
4. die moderne Fabrication kann und muss diese der Bronze natürlichen 
Farbentöne auf künstlichem Wege metallisch herstellen; 5. Email und 
Tauschirung sind echte Decorationswcisen der Bronze; 6. Bronzegerälh 
verlangt sorgfältige künstlerische Ausführung des Ornaments wie der 
Form (bei Messing ist diese Forderung in Bezug auf das Ornament weniger 
streng); 7. Messing und Messing-Bronze sind ein wichtiger und unter Um- 
stünden ästhetisch nothwendiger Ersatz der echten Bronze. Redner be- 
merkte zum Schlüsse, dass diese Sätze wohl als Handhabe zur Beurtheilung 
und Würdigung der Gegenstände der historischen Bronze-Ausstelsung, der 
alten wie der modernen, dienen könnten, besonders für unsere Bronze- 
Industriellen, die auf der Ausstellung neue Anregung zu ersprießlichem 
Schaffen schöpfen mögen.
	        

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