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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XIX (1884 / 220)

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gelungen bezeichnet werden darf, ebenso ist er bei Montirung dieser Ar- 
beiten mit Bronze jedenfalls auf dem rechten Wege, wenn auch dabei die 
Ausführung der Details besonders bei den gut entworfenen Lampen etwas 
sorgfältiger zu wünschen wäre. 
J. A. Hussl aus Schwaz in Tirol brachte eine reiche Collection von 
Fayencen, theils orientalisirend, theils mit Renaissance-Mustern verziert. 
Die gute Zeichnung und sorgfältige Ausführung wird jedoch zumeist durch 
eine zu milchige Gesammthaltung gestört. Bei den Arbeiten aus Tirol 
macht sich zuweilen der Einfluss der Münchener Schule auffallend geltend. 
Selbst durchaus gute Bestrebungen werden von dieser Richtung beein- 
flusst. So hat Anton Wahrmuth, Werkführer der Glasmalereianstalt 
in Innsbruck, zwar eine Cassette in geschnittenem Leder gebracht, die 
wegen ihrer sorgfältigen Ausführung von einem Kunstfreunde für das 
Oesterr. Museum erworben wurde; die technisch eben so gut durchge- 
führten Bücherdeckel befremden jedoch durch sogenannte altdeutsche 
Figuren mit Hatternden Spruchbändern, die, Holzschnitten der deutschen 
Renaissance entnommen, von den Münchner Künstlern mit ihren wehen- 
den Kleidern und Bändern nun in jedem Materiale, sei es dazu auch noch 
so ungeeignet, ausgeführt werden. Wir möchten einen so strebsamen und 
geschickten Arbeiter wie Hrn. Wahrmuth darauf hinweisen, wie sorg- 
fältig eben jene alten Meister die Forderungen des Materiales und des 
Gebrauches zu berücksichtigen wussten. Gerade die deutsche Renaissance 
hat in ihren Lederbänden die Theile verständig gegliedert, die Leisten 
mit Ornamenten geschmückt und Figuren in passender Umrahtnung nur 
bescheiden verwendet, ohne den ganzen Buchdeckel zu einer Bildfläche 
zu gestalten, auf der sich ein zufällig in Leder geschnittenes Bild aus- 
breitet, das viel Sinn, etwa als Holzschnitt im Inneren des Buches haben 
könnte, aber schwerlich für jenen Platz passt. Vorzüglich dagegen hat 
Alexander Förster die edle Technik des geschnittenen Leders mit dunkler 
Holzumrahmung bei einer Cassette zu verbinden gewusst, die ein Meister- 
stück in ihrer Art genannt werden darf. Der meisterhaft in Leder model- 
lirten und geschnittenen Flächen dürfte sich ein guter Holzschnnzer nicht 
schämen, und doch sind bei allem Raffinement der Technik die Bedin- 
gungen, welche das Material stellt, sorgfältig berücksichtigt. 
Ist das ein einzelner Fall, der den Fortschritt unserer Lederindustrie 
bezeugt, so beweist hingegen Paul Pollak in einer reichen Sammlung 
mustergiltiger Stücke seine Herrschaft über das Materiale. Und nicht nur 
in der Nachahmung alter Stücke, wie Cassetten und Buchdeckel, welche 
die hochgeschätzten Arbeiten des 17. Jahrhunderts an Geschmack und 
exacter Ausführung erreichen, zuweilen auch bis zur Täuschung imitiren 
- und er gelangt zu diesem Ergebnisse durch sorgfältiges Studium auch 
der technischen Proceduren der älteren Arbeiter - excellirt er, sondern 
geh mehr in geschmackvollen Modeartikeln, die nicht weniger durch- 
gebildet und feinsinnig in den Farben gestimmt sind. Er weiß den Vor-
	        

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