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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XIX (1884 / 220)

weil die Zahl der Aussteller um so viel größer wurde - bei der ersten Aus- 
stellung erschienen x40, heuer bei der zehnten x54 - sondern weil jeder 
Einzelne immer größeren Raum beanspruchte, ganze Zimmer mit ihrer 
Inneneinrichtung in die Exposition aufgenommen wurden und eine räum- 
liche Beschränkung immer schwieriger zu werden begann, trotzdem dass 
die Jury von Jahr zu Jahr ihres Amtes strenger waltete. Eine Beschrän- 
kung, die sich als durchaus nothwendig herausstellt, müsste auf Grund- 
lage neuer Statuten beschlossen werden, so dass jedem Aussteller nur 
ein gewisser Raum und nur eine Auswahl des Besten auszustellen er- 
laubt wäre. 
Wer sich jedoch der ersten Ausstellung erinnert, wird zugeben 
müssen, dass sich im Allgemeinen die Production gehoben hat und dass 
srylistisch tadellose Stücke, die anfangs nur sporadisch erschienen, nun, 
in genügender Anzahl vorhanden, keineswegs mehr wie früher aus der 
Masse des Mittelguten hervorleuchten. 
Wollen wir das neue Gute, sei es der Art oder der Ausführung 
nach, hervorheben, und nur auf das Neue müssen wir uns beschränken, 
so fällt zuerst bei Karl Lustig, der mit seinen tauschirten Arbeiten in 
Silber schon lange einen bedeutenden Rang in der Wiener Kunstindustrie 
einnimmt, eine glückliche Verwendung orientalischer Motive auf, eine 
Frucht der historischen Ausstellung zur Erinnerung an die Befreiung 
Wiens im Jahre 1683. Lustig entnahm den dort ausgestellten orienta- 
lischen Waffen die schönsten Motive, um damit modernen Frauenschrnuck 
zu verzieren. Nicht weniger gelungen sind Armbänder im Geschmacke 
der italienischen Renaissance gin derselben edlen Technik, verschieden 
gefärbtes Gold in geschwärztes Silber eingelegt. Durch Hinzufügung von 
hellleuchtenden gravirten Linien in die Masse des sonst matt gelassenen 
Goldes ist der künstlerische Werth dieser Arbeiten zwar nicht erhöht 
worden, sie dürften aber vielleicht dadurch einem weiteren Kreise des 
Publicums, welcher etwas bunten Glanz bei Schmuckgegenständen nicht 
gern entbehren will, erwünschter erscheinen. W. Rummel in Prag 
bringt ein Meisterstück der Goldschmiede-Arbeit: den von J. Malina in 
kleinerem Maßstabe nachmodellirten Wenzels-Leuchter der Prager Dom- 
kirche. Man möchte nun glauben, dass die kunstreiche Nachbildung 
dieses berühmten Bronzewerkes der Renaissance etwa als Geschenk für 
einen hohen Kirchenfürsten bestimmt sei; allein zu unserem Erstaunen 
müssen wir in der beigegebenen Beschreibung lesen, dass ihn adelige 
Damen von Prag als Preis für das nächste Frühjahrsrennen bestimmt 
haben, gewiss in der Absicht, um solche sonst etwas weltlich-oberfläch- 
liche und internationale Vergnügungen durch religiös-historische Erinne- 
rungen zu vertiefen. Leider ist Rummel mit seinem gern gesehenen 
Granatschmucke nicht gekommen. M. Kersch füllt diese Lücke aus und 
auch hier gehen die besten Stücke auf Modelle des genannten Herrn 
Malina zurück. Neben Rummel sind Arbeiten der Fachschule für
	        

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