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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XIX (1884 / 221)

betrachtet, die stylgemäße Behandlung der Ornamente an den Gefäßen, 
die richtigen, dem Zweck angepassten Formen ansieht, so wird man er- 
kennen, dass schon in den damaligen Zeiten ein künstlerischer Geist im 
Menschen thätig gewesen ist. In den Werkzeugen offenbart sich schon in 
dieser Zeit ein erfindender Geist, der es unternommen, die Schwierig- 
keiten zu besiegen, die bei Behandlung der verschiedenen Materialien 
sich entgegenstellten, dass also auch schon in jener längst entschwun- 
denen Epoche die Handarbeit Hand in Hand geht mit der fortschreitenden 
Entwickelung der Werkzeuge, und dass auch die damalige Zeit ihre 
Raphael und Palissy gehabt hat, d. h. Männer von großer künstlerischer 
und technischer Erfindungsgabe. Bei diesen Bemerkungen habe ich auch 
jene Zeiten im Auge, wo noch keine Drehscheibe existirte, die Verfer- 
tiger von Thongefäßen dennoch die Geschicklichkeit besaßen, dieselben 
vor dem Durchsickern der Feuchtigkeit zu bewahren. Die eriindungs- 
reiche Art, wie jene Völker mit ihren geringen technischen Hilfsmitteln 
Metallgüsse gemacht haben, wie sie es verstanden haben, in der sinn- 
reichsten Weise die Löcher in ihre Steinarbeiten zu bohren, die Kunst- 
fertigkeit, welche sie in den Webereien gezeigt haben, sind lauter Er- 
scheinungen; die beweisen, dass eine künstlerische Anlage vorhanden war, 
welche nur durch lange Uebung die erwähnten sichtbaren Resultate zu 
Tage fördern konnte. 
Ein anderes jüngeres Beispiel bietet die südslavische Hausindustrie, 
welche durch das Entstehen von Fabriken in ihrer Existenz gefährdet ist. 
Die Gründung von Fabriken in den südslavischen Ländern wird dort 
nichts anderes bewirken, als die künstlerischen und technischen Fertig- 
keiten, welche sich dort bis in die jüngste Zeit erhalten haben, zu zer- 
stören, den künstlerischen Geist niederzudrücken, ohne dafür etwas anderes 
zu bieten, als die ordinärste Arbeit, die jedes künstlerischen Geistes ent- 
behrt. In allen Museen Mitteleuropa's sind in den letzten Jahren Samm- 
lungen von slavonischen und serbischen Webereien angelegt worden, die 
das Staunen aller Freunde der Kunstweberei hervorgerufen haben. Der 
Reichthum an Mustern ist ungemein groß; jeder Ort hat seine eigenen 
Muster, die Farben sind dauerhaft, erzeugt aus heimischen Pflanzensäften 
von denselben Leuten, welche die Ornamente weben, Farben, welche in 
der modernen Weberei gar nicht in Uebung sind und deren Anwendung 
wegen ihrer Haltbarkeit doch so empfehlenswerth erscheint. Diese süd- 
slavischen Webereien werden auf den denkbar einfachsten Handwebe- 
stühlen hergestellt und der künstlerische Reichthum der Ornamentik ist 
so groß, dass Emanuel Drahan, Professor an der Reichenberger Weberei- 
schule, eben daran geht, ein Werk über die südslavische Hausindustrie 
zu veröffentlichen'). Während die moderne Weberei sich theilweise müh- 
') Wir sind leider genöthigt, auf den in diesem Hefte, Seite 46, enthaltenen kurzen 
Nekrolog Drahan's hinzuweisen. (Anmerk. der Rad.)
	        

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