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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XIX (1884 / 223)

gegen die herrschenden Schuleinrichtungen aussprach: vDie Mehrzahl der 
Menschen ist heute geradeheraus gesagt, denkfaul oder unklar und ober- 
flächlich, ohne eigenes Urtheil, langsam von Entschluss, unpraktisch, 
ohne eigene Thatkraft und überdies ist die Scheu vor angestrengter 
Arbeit selbst unter gebildeten Ständen nur zu häui-igu. Die Schuld an 
all' diesen Erscheinungen legt Schwab der Volksschule bei und fordert 
von ihr die Einführung der Arbeit in der Schulwerkstätte und im Schul- 
garten. Eine Broschüre über den letzten Gegenstand erschien in mehreren 
Auflagen und wurde in - ich glaube recht unterrichtet zu sein _ sieben 
Sprachen übersetzt. Unter Schwab's Leitung wurde auf der Wiener Welt- 
ausstellung das österreichische Musterschulhaus erbaut, in dem er eine 
Schulwerkstätte und einen Schulgarten nach seinen Plänen zur Anschauung 
brachte. Nach einer Richtung, bezüglich der Schulgärten, hatte Schwab 
große Erfolge aufzuweisen. Auch bezüglich der Schulwerkstätten waren 
seine Anregungen nicht unbedeutend. 
Director R. v. Eitelberger hielt schon im J. 1877 im Museum Vorträge 
über den Gegenstand. Er verfocht die Schaffung einer elementaren Arbeits- 
schule, die mit der Volksschule in Verbindung zu bringen sei und suchte 
nachzuweisen, dass hiedurch das Schulgesetz keineswegs alterirt werde. 
Hofrath v. Eitelberger klagt über die Arbeiter der Gegenwart, dass sie 
relativ viel wissen, aber relativ sehr wenig können. Das Talent ist eine 
Gabe des Himmels, aber die Fertigkeit und Arbeitstüchtigkeit und die 
Liebe zur Arbeit kann anerzogen werden; sie muss in jungen Jahren 
erworben werden und kann nicht erst beginnen nach dem vollendeten 
14.. Lebensjahre. Derselbe belegte seine Ausführungen durch zahlreiche 
Beispiele aus der Geschichte. 
Die Bemühungen der letztgenannten Männer hatten speciell in Wien 
nur den praktischen Erfolg, dass Gemeinderath Alex. Riss eine Schul- 
Werkstätte mit der allgemeinen Lehrmittelausstellung in Verbindung bringen 
wollte und auch schon diverse Anschaffungen zu diesem Zwecke machte; 
leider blieb das Unternehmen wegen Mangel an Geld unvollständig. 
Mit den ebengenannten Männern wirkte gleichzeitig in Dänemark 
und in Deutschland der pensionirte Rittmeister Clauson-Kaas, dessen 
Streben hauptsächlich auf Förderung des'Hausfleißes gerichtet war und 
der durch die Einführung von Arbeitsschulen in der Landwirthschaft 
ungünstigen Gegenden die Schaffung einer lohnenden Hausindustrie an- 
bahnen wollte. Clauson-Kaas hat mit seinen Schülern recht hübsche 
Resultate erreicht, aber er hat, der Vorwurf wird ihm gegenwärtig häufig 
gemacht, leider zu wenig die erziehliche Seite der Arbeit im Auge 
behalten. Seine Bestrebungen wurden deshalb insbesondere von der 
preußischen Regierung perhorrescirt. Von nachhaltigem Einfluss auf die 
weitere Entwicklung des Handfertigkeitsunterrichtes dürften die literarischen 
und praktischen Bestrebungen des Herrn v. Schenckendorli, Stadtrath in 
Görlitz, und des Dr. Götze in Leipzig sein, beide stellen den Arbeits-
	        

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