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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XIX (1884 / 223)

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Der gleichzeitig lebende Philosoph Fichte hatte in seinen Reden an 
die deutsche Nation die Forderung aufgestellt, dass in der neuen National- 
erziehung das Lernen und Arbeiten vereinigt sei, dass die Schule sich 
selbst durch die Arbeit der Zöglinge erhalte oder wenigstens denselben 
gegenüber zu erhalten scheine. Die Hauptarbeit sei die Ausübung des 
Acker- und Gartenbaues, der Viehzucht und derjenigen Handwerke, deren 
sie, die Zöglinge, in ihrem kleinen Staate bedürfen. - wDas Grundgesetz 
dieses kleinen Wirthschaftsstaates sei dieses, dass in ihm kein Artikel zu 
Speise, Kleidung etc., noch, so weit dies möglich ist, irgend ein Werk- 
zeug gebraucht werden dürfe, das nicht in ihm selbst erzeugt und ver- 
fertigt seiu. Fichte unterließ nicht, auf den Einfluss solcher Arbeiten auf 
die intellectuelle und moralische Bildung des Volkes hinzuweisen. 
Diese angedeuteten Grundzüge finden wir durch Fellenberg realisirt 
und noch heute sind diese für die sogenannten Rettungshäuser maß- 
gebend. Auch unser Franz Josef-Asyl soll nach diesen Grundsätzen orga- 
nisirt werden. Es wird auch dort der Landbau betrieben werden, den 
Schülern wird außerdem gelehrt werden, ihre Kleider und Schuhe zu 
fertigen, die nöthigen Tischler- und selbst Maurerarbeiten zu machen. 
Fassen wir einmal das bisher Gesagte über die Zwecke der Ein- 
führung der Arbeit in den Kreis der Erziehnngsmittel zusammen, so 
finden wir: Locke, Salzmann, Francke und seine Genossen hatten hiebei 
vorzüglich im Auge: Kräftigung des Körpers und Erzielung einer prak- 
tischen Denkweise; Kindermann, auch Pestalozzi wollten durch sie zur 
Arbeitsfreudigkeit erziehen und zugleich den Kindern ärmerer Bevölkerung 
eine angemessene Vorbereitung für ihr künftiges Leben gewähren. 
Fichte und Fellenberg hatten den Einfluss regelmäßiger und anstrengender 
Arbeitsübungen auf die Selbständigkeit des Charakters betont. 
All" diese Zwecke suchte Fröbel zu vereinigen, aber sie nur als neben- 
sächliche einem höheren Gesichtspunkte zu unterordnen. Die bisherigen 
Pädagogen und Philosophen hatten das Denken als die Grundlage aller 
Bildung aufgefasst, Fröbel setzte an seine Stelle das Wollen. Nach ihm 
- wie nach Schopenhauer - liegt das Wesen des Menschen in dem 
Triebe, sich zu beschäftigen. Von der That, dem Thun muss die echte 
Menschenerziehung, die entwickelnde Erziehung des Menschen beginnen; 
in der That, dem Thun keimen, daraus hervorwachsen, darauf sich 
gründen. 
Fröbel hat seine Ideen nur auf die der Schulerziehung vorausgehende 
Zeit zur Anwendung gebracht. Für die Fortsetzung, die er geplant, fehlte 
ihm die Zeit. Was ihm nicht möglich war, das suchten Deinhardt, Georgens, 
Frau von Marenholtz-Bülow zu erreichen; doch haben ihre Vorschläge 
bisher noch wenig Verbreitung gefunden. 
lch darf wohl die Einrichtungen des Kindergartens mit seinen 
Spielen und spielenden Beschäftigungen als bekannt voraussetzen; haben 
sich doch diese Einrichtungen bei uns überall eingebürgert.
	        

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