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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XIX (1884 / 227)

einem so langen Weg durch die Kunstgeschichte, werden wir nicht bei 
Heideloff und Schinkel vüeder von vorne anfangen können, noch einmal 
Alles durchzucopiren. Wir stehen dann vor der Frage: nWas nunin 
Diese mystische Frage sehen wir heute schon aus neblichter Ferne uns 
immer näher rücken und steht sie nur erst einmal hart vor uns, dann 
wird sie so oder so auch beantwortet werden müssen, auch beantwortet 
werden. Der einzige Gegensatz des Copirens ist aber das Selbstentwerfen, 
das echte, wirkliche Couiponiren, nicht das "Componiren mit dem Oel- 
papieru oder "in der Bibliothek-i. 
Dahin drängt also die Entwickelung der Kunst, und wenn auch der 
Fortschritt in der Schule - wie gleich Eingangs bemerkt - sich heute 
bereits auf gleicher Fährte befindet, so können wir wohlgemuth Hand 
anlegen und uns dieser herrlichen und großen, ja beinahe erdrückend 
großen Aufgabe, die uns die Zeit beschieden, erfreuen. 
Werden wir sie auch lösen? Das ist eine Frage, die nie Jemanden 
kümmern sollte. Nur muthig dran! das sei das Losungswort, sobald man 
erkannt, auf rechter Fährte zu sein. 
Dieser Mutli der Schalfensfreudigkeit ist es auch, der wohlthuend 
durch die neuen Normale und Instructionen für den Unterricht im 
Zeichnen und Modelliren geht. Diese Vorschriften fassen Alles zusammen, 
was gegenwärtig den Stand der ganzen Zeichenunterrichtsfrage ausmacht, 
ja sie eilen hie und da der Zeit um einen Schritt voraus '). 
Endziel ist das Entwerfen und das Anfertigen von Werkzeichnungen 
und Naturdetails. Vorbereitet wird dieses Ziel sachgemäß ununterbrochen 
von der ersten Stufe des Unterrichtes an. 
Demgemäß ist speciell die Darstellungsrnanier festgesetzt (Seite 3) 
wie folgt: 
' "Die Darstellungen sind stets mit den einfachsten Mitteln durch- 
zuführen und es ist insbesondere das Copiren complicirter, aus der Her- 
stellungsart ,mancher Vorlagen resultirender Reproductionsweisen, deren 
Nachahmung dem Schüler einen unverhältnissmäßig großen Zeitaufwand 
verursacht, strenge zu vermeidenm 
Seite g wird bei den Werkzeichnungen "jede malerische Behandlungu 
ausdrücklich ausgeschlossen. 
Belehrungen über Styl und Composition beim Zeichnen werden bei 
verschiedener Gelegenheit gefordert, so 
Seite g; nBCl allen Zeichenübungen sind als Vorbilder Reproduc- 
tionen charakteristischer Originale früherer Style zu verwenden und den 
') Dieser Normal-Lehrplan summt lnstrucxionen für den Zeichcnunterricht an den 
gewerblichen Fachschulen gehört in die Reihe derjenigen Maßnahmen, durch welche das 
von Sectionsrath Armand Freiherrn v. Dumreicher aufgestellte Programm zur Orga- 
nisation des gewerblichen Unterrichtes nun schrittweise zur Ausführung kommt. 
Anm. der Redacrion.
	        

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