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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XIX (1884 / 228)

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Annius Verus. Durch zwei Stücke wird die genaue Feststellung der Länge 
der Gesammtregierung des Caracalla und Geta nunmehr ermöglicht. Wichtig 
ist ein Papyrus vom Jahre 213 n. Chn, aus welchem in Uebereinstimmung 
mit den Arvalacten, deren Richtigkeit bisher angezweifelt wurde, hervor- 
geht, dass Caracalla's Titel Germanicus Maximus schon in so früher 
Zeit von Seiten Caracallefs angenommen wurde. Aus unseren Urkunden 
gehen ferner die ungefähre Zeitbestimmung des Todes des Severus 
Alexander, sowie die Titulaturen Maximin's und Maximus" hervor. Auf- 
fallend ist eine Datirung vom Jahre 241, bei welcher Gordian lll. nach 
tribunicischen Kaiserjahren und seinen Consulaten rechnet; eine 
schöne Reihe von Urkunden liefert den Nachweis, dass diese Datirung vom 
Jahre 294 an die gebräuchlichere und in den darauffolgenden Jahrhun- 
derten die herrschende wurde. Festgestellt werden ferner: die Zeit der 
Gothenschlacht (Jahr 25x), Daten aus der Regierung des Trebonianus 
Gallus, die Gesammtherrschaft Valerian's, Gallienus' und Saloninus' im 
Jahre 360 u. s. w. Neu aufgefunden wurden mehrere Papyrus von Ela- 
gabal, Maxirnus und Maximinus, der Otacilia Severa, des Trebonianus 
Gallus und Volusianus, ferner der Caesaren Herennius Etruscus und Ho- 
stilianus. So erscheint denn mit der von uns früher verötfentlichten Liste 
der Kaisernamen die Kette der Kaiserdatirungen in der erzherzoglichen 
Papyrus-Sammlung vom Jahre 93 n. Chr. an bis Constantin d. Gr. (fast 
für jedes Jahr in mehreren Exemplaren!) geschlossen; denn eine sich er- 
gebende Lücke von nur dreißig Jahren (von 264-294) wird wohl kaum jemals 
eine Ausfüllung durch Papyrus-Datirungen erlangen, da die Unsicherheit 
der Lebens- und Geldverhältnisse jener Periode eine allgemeine Stockung 
in den Geschäften herbeigeführt hat. -- Auch die koptischen Papyrus 
der Sammlung sind in chronologischer Hinsicht von Belang. Sie geben 
uns nämlich zuerst die einheimische Bezeichnung statt des gewöhnlichen 
in den Papyrus vorkommenden griechischen Wortes Indiction, zugleich 
neue Aufschlüsse über die Bedeutung der ägyptischen Indiction. Das 
jüngst datirte Stück dieser Gruppe gehört dem zweiten Decennium des 
neunten Jahrhunderts an. Die Zahl der hochinteressanten tachygraphischen 
(stenographischen) Papyrus ist auf x50 gestiegen, darunter Stücke von 
ansehnlicher Größe und vorzüglicher Erhaltung. Unter den arabischen 
Papyrus der Sammlung, welcher der Ruhm gebührt, das älteste Stück 
des lsläm vom Jahre 30 der Hidschra zu besitzen, ist nun die Zahl von 
15 höchst seltenen Papyrus aus dem ersten Jahrhundert der H. auf- 
gefunden. Dieselben zeigen in ihrem Ductus noch ganz den Charakter, 
welcher nach der Beschreibung in den arabischen Quellen der alten 
mekkanischen Mutterschrift eigenthümlich war. Merkwürdig ist die Con- 
statirung eines neuen Systems einer Geheimschrift, mit welcher die Texte 
arabischer Privatbriefe untermischt sind. An die von uns in den früheren 
Berichten erwähnten historischen Stücke reihen sich endlich jene an, 
welche als glänzende Illustration zur Ueberlieferungstreue der arabischen
	        

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